Teilkasko, Typklassen, Tarife - gesammeltes Wissen zur Kfz-Versicherung

Die Kfz-Versicherung

Jeder in Deutschland zugelasse PKW muss, sofern er auf öffentlichen Straßen unterwegs ist, versichert sein. Diese Versicherungspflicht bedeutet, dass für jedes Auto eine Kfz-Haftpflichtversicherung vorliegen muss. Sie ist notwendig, um verursachte Sach- und Personenschäden der anderen Unfallbeteiligten abzusichern. Schäden am eigenen Fahrzeug deckt die Kfz-Haftpflicht nicht ab, sie dient lediglich dem finanziellen Schutz von Unfallgeschädigten. Damit sich der Versicherungsschutz durchsetzen lässt, werden bei einem Unfall sowohl der Fahrer als auch, falls abweichend, der Halter des Fahrzeugs in Anspruch genommen. Eine ähnliche Versicherungspflicht existiert mittlerweile in allen EU Mitgliedstaaten. Daher kann man davon ausgehen, dass auch bei einem nicht selbst verschuldeten Verkehrsunfall z.B. in Italien, Spanien oder Frankreich seine Schäden erstattet werden.

Voll- und Teilkaskoversicherung

Am eigenen PKW selbst verursachte Schäden deckt in der Regel die Vollkaskoversicherung ab, bei Schäden durch höhere Gewalt (z.B. Unwetter, Wildschaden, Steinschlag) greift die Teilkasko-Versicherung. Beides sind optionale Leistungen und können gegen zusätzliche Prämien zur Auto-Haftpflichtversicherung hinzugenommen werden. Mit einem Schutzbrief die Versicherungsleistung zu erweitern macht Sinn, wenn man auch im Falle einer Panne, eines Unfalls oder Diebstahls finanzielle Hilfe z.B. für Hotelübernachtung, Ersatzfahrzeug o.ä. haben will. Auch als Zusatzleitung buchbar ist eine Kfz-Rechtschutzversicherung, wobei sie im Grunde nichts mit dem versicherten Fahrzeug zu tun hat. Sie kommt bei solchen Rechtsfällen für die Anwalts- und Gerichtskosten auf, die mit dem Führen eines Fahrzeugs im Straßenverkehr unmittelbar zusammenhängen. Eine Insassenunfallversicherung ist eine weitere optionale Leistung, die beim Abschluss einer Autoversicherung gerne zusätzlich angeboten wird. Hier ist das Risiko der Fahrzeuginsassen versichert, durch einen Unfall dauerhaften körperlichen Schaden zu erleiden. Da sich dies z.T. mit den Leistungen der Kfz-Haftpflicht überscheidet, wird diese Versicherung häufig als überflüssig bezeichnet.





Typklassen-Einstufung

Das Risikoprofil jedes Fahrzeugs - Unfallhäufigkeit, durchschnittliche Reparatur- bzw Wiederbeschaffungskosten - lässt sich an seinen Typklassen ablesen. Jedes einzelne Modell hat je eine Typklasse für Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko. Je höher die Typklasse, umso teurer die Versicherungsprämie. Die Kfz-Haftpflicht kennt Typklassen von 10 bis 25, die Kasko von 10 bis 35. Die Typklassen werden einmal jährlich vom Gesamtverband der Versicherer aktualisiert und gelten dann ab dem 01. Januar des Folgejahres.

Schadenfreiheitsklasse - SFR

Die Höhe des Versicherungbeitrags richtet sich bei der Haftpflicht- und der Vollkaskoversicherung generell nach der persönlichen Schadenfreiheitsklasse. Wer zum ersten Mal eine Autoversicherung auf eigenen Namen abschließt, z.B. als Fahranfänger, wird vom Versicherer normalerweise in die Schadenfreiheitsklasse SF0 oder SF½ eingestuft. Die Zahl hinter dem "SF", in diesem Fall "0" gibt wieder, wieviele schadenfreie Jahre der Versicherte bereits hinter sich hat. Eine SF15 heißt analog, der Versicherte ist bereits 15 Jahre unfallfrei gefahren. Basierend auf einer Art Belohnungssystem erwirbt man mit höherer Zahl an schadenfreien Jahren einen steigenden Rabatt auf die Versicherungsprämie. Nach einem Jahr ist man mit dem SF1 dann bereits bei 60% (altes SF-System: 100%) Prämie angelangt, mit SF0 zahlt man 95% (altes SF-System: 230%) (Vollkasko: 60% - altes SF-System: 125%). Hohe Zuschläge zu diesen Prozenten machen die Versicherung für Führerscheinneulinge oder für Eltern, die einen jungen Fahranfänger mitversichern wollen besonders teuer. Nach 35 Jahren ohne Schadenfall gelangt man in die günstigste Stufe mit 20% (bei Haftpflicht und Vollkasko), d.h. man zahlt nur noch 20% des normalen Versicherungsbeitrags. Dieses Prämiensystem gilt nicht für die Teilkaskoversicherung (die ansonsten in der Vollkaskoversicherung enthalten ist). Hier wird die Höhe die Versicherung nur auf Basis der Teilkasko-Typklasse eines PKWs berechnet.

Regionalklassen

Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Höhe der Versicherungskosten ist die Regionalklasse. Die bestimmt, ob ein Fahrzeug, das z.B. in der Lüneburger Heide zugelassen ist, aufgrund des Standorts ein höheres Schadenrisiko mit sich bringt als dasselbe Fahrzeug, das z.B. in Berlin Kreuzberg angemeldet ist. Die Regionalklassen sind für Kfz-Haftpflicht, Teil- und Vollkasko unterschiedlich, d.h. eine günstige Haftpflicht-Regionalklasse hat keine Aussage über die Kasko-Regionalklassen.

Weiche Tarifmerkmale

Daneben bildet ein Bündel an weiteren Kriterien die weitere Preisgestaltung der Versicherungskosten. Werkstattbindung, Alter des jüngsten Fahrers, Jahresfahrleistung, Neufahrzeug oder Gebrauchtwagen, Fahrzeugwert, Erst- oder Zweitwagen, nächtlicher Abstellplatz, Familien- und Wohnverhältnisse, Beruf, Höhe der Selbstbeteiligung bei Kaskoschäden, Alter des Führerscheins, um die wichtigsten zu nennen.

Wie entstehen die Preisunterschiede?

Jede Versicherungsgesellschaft berechnet die Versicherungsbeiträge selbst. Das bedeutet, dass sich teilweise große Preisunterschiede für vergleichbare Leistungen bei den einzelnen Versicherungen ergeben, mehrere Hundert Euro sind keine Seltenheit. Daher also: Vergleichen Sie die Kfz-Versicherungstarife.





Vor dem Fahrzeugkauf

In Anbetracht der Unterschiede bei den Typklassen sollte man bei der Auswahl seines neuen Fahrzeugs einen Blick darauf haben, wie das neue Wunschfahrzeug eingestuft ist. Oftmals ist ein Alternativmodell eines anderen Herstellers oder das nächstkleinere oder -größere Modell der gleichen Baureihe deutlich günstiger. Die alte Regel, nachdem mehr PS automatisch teurere Versicherungseinstufung bedeutet, existiert schon seit 1996 nicht mehr. Es ist zwar dennoch häufig so, dass äusserst leistungsstarke Fahrzeuge auch hohe Typklassen aufweisen, eine Regel kann man davon aber nicht ableiten. Vielmehr ist es eher so, dass mit höherer Fahrzeugklasse auch die Kasko-Typklassen steigen, aber auch hier bestätigen zahlreiche Ausnahmen die Faustregel. Bei der Haftpflichtversicherung sind es oft die Diesel- bzw. Langstreckenfahrzeuge, die die teuerste Einstufung haben - aber nicht immer, auch hier gibt es "Typklassen-Schnäppchen".

Kfz-Zulassung

Hat man den Wagen seiner Wahl erworben, erhält man von jeder Versicherung eine elektronische Versicherungsbestätigung in Form eines siebenstelligen Codes, die eVB. Diese ersetzt seit 2008 die bis dahin gültige Doppelkarte. Bei Neuwagen übernimmt die Zulassung meist der ausliefernde Händler, bei Gebrauchten geht man meist selbst zur Zulassungsstelle: mit Personalausweis, eVB, Fahrzeugbrief, TÜV/AU Bescheinigung und etwa 70 -120 EUR in der Tasche, die für Zulassung und Schilder zu berappen sind.

Im Schadenfall

Tritt nun ein Schaden durch einen Unfall oder durch die bloße Anwesenheit des Fahrzeugs im Straßenverkehr ein, ist zu klären, wer dafür verwantwortlich zu machen ist. Trägt man selbst keine Schuld, muss die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers für den gesamten Schaden inkl. Wertminderung und Nutzungsausfall aufkommen.Hat man den Unfall selbst verursacht, treten der/die Unfallgegner an die eigene Versicherung heran, die deren Schaden zu regulieren hat. Meist ist auch im Falle des Selbstverschuldens das eigene Fahrzeug betroffen. Diese Schäden ersetzt eine Vollkaskoversicherung, abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung. Ob Haftpflicht oder Vollkaskoschaden, beinhaltet der Versicherungsschutz keinen sog. Rabattretter, wird man in seinem persönlichen Schadenfreiheitsrabatt z.T empfindlich hochgestuft. Handelt es sich z.B. um Fälle von Steinschlag/Glasschaden, Wildtierzusammenstößen, Diebstahl, Unwetterschaden (Hagel), muss eine Teilkaskoversicherung den materiellen Schaden begleichen, wiederum abzüglich Selbsbeteiligung, falls vorhanden. Ein Schadenfreiheitsrabatt existiert in der Teilksko nicht, daher erfolgt auch keine Heraufstufung bei einem Schaden.

Seite speichern bei...

Facebook Twitter Tumblr auf delicious bookmarken