Teilkasko, Typklassen, Tarife - gesammeltes Wissen zur Kfz-Versicherung

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Schadenfreiheitsklassen / Rabatte & Prozente

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Gelegentlich hört man "welche Prozente hast Du in der Autoversicherung" oder "wie hoch ist dein Rabatt in der Kfz-Haftpflicht" - was hat es damit auf sich? Die Kfz-Haftpflichtversicherung - die für ein zugelassenes Auto bestehen muss - und auch die Vollkaskoversicherung belohnt den, der länger ohne Schaden fährt bzw. bestraft diejenigen, die Schäden verursachen. Diese Sanktionierung erfolgt in Form unterschiedlich hoher Rabatte bzw. Aufschläge, die auf einen Versicherten zukommen. Man geht immer vom Normaltarif aus, d.h. die Versicherungsprämie liegt bei 100%. Fährt man lange Jahre ohne Schaden, steigt der Rabatt, verursacht man Unfälle, sinkt er bzw wandelt sich in einen Preisaufschlag. Die Bezeichnung "Rabatt" ist dabei missverständlich: wenn man z.B. davon spricht "ich bin bei 35%", bekommt man nicht 35% Rabatt, sondern man zahlt nur noch 35% der 100% Prämie. Der Rabatt liegt also bei 65%. Hier sprechen wir daher vom Beitragssatz, der zu bezahlen ist. (35% Beitragssatz entspricht 65% Rabatt).

Die SF-Klasse hat starken Einfluss auf die Höhe des Versicherungsbeitrags

Die Schadenfreiheitsklassen sind das Merkmal eines Versicherungstarifs, das zusammen mit den altersabhängigen Zuschlägen die höchste Auswirkung auf die Beitragshöhe hat. z.B. kostet ein Audi A3 1.9 TDI für einen 18-jährigen Fahranfänger mit SF0 ( bedeutet 0 schadenfreie Jahre, also 95% Beitragssatz) ca. 1.700 EUR Jahresprämie für die Kfz-Haftpflicht. Hat ein Versicherter bereits SF35 (35 schadenfreie Jahre, also 20% Beitragssatz), kostet das gleiche Fahrzeug zu gleichen Leistungen versichert nur noch ca. 200 EUR pro Jahr, also 1.500 EUR weniger. Noch gravierender können die preislichen Unterschiede bei der Vollkasko-Versicherung sein, da der jährliche Versicherungsbeitrag bei sehr hochpreisigen Modellen und exotischen Marken exorbitant hoch sein kann. Ein Porsche 911 GT3 z.B. kostet bei SF0 (= 60% Beitragssatz) z.B. 7.500 EUR Vollkasko pro Jahr, bei SF35 (= 20%) 2.500 EUR, also 5.0000 EUR weniger.



Schadenfreie Jahre

Die Schadenfreiheitsklassen orientieren sich an den schadenfreien Jahren, die man im Laufe seiner Zeit als Versicherungsnehmer bisher gefahren ist. Dabei ist es unerheblich, ob man die ganze Zeit bei einer Versicherung war oder jährlich zu einer anderen gewechselt ist. Der Schadenfreiheitsrabatt bleibt erhalten und wird bei einem Versicherungswechsel zwischen den Versicherungen ausgetauscht. Üblicherweise beginnt man, wenn noch nie ein Fahrzeug auf den eigenen Namen versichert war, bei SF0. SF steht für Schadenfreie Jahre, "0" für die Anzahl. Praktisch hat das zur Folge, dass man in der Kfz-Haftpflichtversicherung bei einem Beitragssatz von 95% - nach der alten Schadensklassenregelung 230% - starten muss. Das bedeutet, man bezahlt für ein Fahrzeug das 0,95fache (bzw. 2,3fache) des regulären Versicherungsbeitrags (=100%). Soll das Fahrzeug auch einen Vollkasko-Schutz bekommen, wird hierfür eine eigene SF-Berechnung vorgenommen. Auch hier beginnt man bei SF0, der effektive Beitragssatz sind hier aber "nur" 60%, d.h. man zahlt das 0,6-fache der 100%-Normalprämie. Gerade in den ersten Jahren, von SF0 bis SF4, erreicht man schnell deutlich niedrigere Beitragssätze, SF4 entspricht z.B. 48% Haftpflicht-Beitrag (Vollkasko: 45%), man zahlt nach 4 Jahren also nur noch das 0,48 fache des normalen Beitrags.

In der nachfolgenden Tabelle sieht man, wie sich die Schadenfreiheitsklassen im Laufe der Jahre üblicherweise verändern. Zudem sind die neuen SF-Klassen, die der Gesamtverband der Versicherer für 2012 vorgeschlagen hat und den die meisten Versicherer übernommen haben enthalten. Bei diesen ist zu beachten, dass sich die angegebenen Prozente auf einen anderen (= höheren) Grundbeitrag beziehen. Deshalb wird sich bei der Mehrheit der Versicherten trotz besserer Prozente kein günstigerer Beitrag ergeben. Lediglich für Fahranfänger als auch für Fahrer mit über 25-jähriger Unfallfreiheit zeigen sich Vergünstigungen. Bei jungen Fahrern sind dafür empfindliche Zuschläge zu bezahlen, die in dieser Tabelle keine Berücksichtigung finden.

SF-Klassen
(=schadenfreie Jahre)
Beitragssatz
Haftpflicht (neu ab 2012) Haftpflicht (alt) Vollkasko (neu ab 2012) Vollkasko (alt)
M (=bei Rückstufung) 135% 245% 85% 190%
SF 0 95% 230% 60% 125%
S(=bei Rückstufung) 85% 155% - -
SF 1/2 75% 140% 55% 115%
SF 1 60% 100% 53% 100%
SF 2 55% 85% 50% 85%
SF 3 51% 70% 47% 80%
SF 4 48% 60% 45% 70%
SF 5 45% 55% 43% 65%
SF 6 43% 55% 41% 60%
SF 7 41% 50% 39% 60%
SF 8 39% 50% 38% 55%
SF 9 37% 45% 37% 50%
SF 10 36% 45% 36% 50%
SF 11 35% 45% 35% 45%
SF 12 34% 40% 34% 45%
SF 13 33% 40% 33% 45%
SF 14 32% 40% 32% 40%
SF 15 31% 40% 31% 40%
SF 16 30% 35% 30% 40%
SF 17 29% 35% 29% 40%
SF 18 28% 35% 28% 35%
SF 19 27% 35% 28% 35%
SF 20 27% 35% 27% 35%
SF 21 26% 35% 26% 35%
SF 22 26% 30% 26% 35%
SF 23 25% 30% 25% 30%
SF 24 25% 30% 25% 30%
SF 25 24% 30% 25% 30%
SF 26 24% - 24% -
SF 27 23% - 24% -
SF 28 23% - 23% -
SF 29 23% - 23% -
SF 30 22% - 23% -
SF 31 22% - 22% -
SF 32 22% - 22% -
SF 33 21% - 21% -
SF 34 21% - 21% -
SF 35 20% - 20% -

Sinn der SF-Unterteilung ist es, schadenfreies Fahren zu honorieren. Wer 25 Jahre unfallfrei fährt, hat im Einzelfall vielleicht nur Glück gehabt. Aus versicherungsmathematischer Sicht schaffen dies aber nur Fahrer, die besonnen und vorausschauend fahren. Und diese stellen ein geringeres Versicherungsrisiko dar, folglich ist es verursachungsgerecht, diese mit niedrigeren Beiträgen zu belohnen.



Rückstufung / Hochstufung

Tritt doch ein Schadenfall ein, muss also die Versicherung für einen Schaden aufkommen, wird der Versicherungsnehmer in eine neue SF Klasse eingestuft. Allerdings nicht, wie man annehmen könnte, einfach in die nächsthöhere Klasse (z.B. von SF 14 auf SF13), sondern meist um 2 bis 3 Rabattstufen. Also z.B. von SF14 auf SF6, was in der Abrechnung eine Verschlechterung des Beitragssatzes von 32% auf 43% bedeutet. Diese Anpassung erfolgt zur nächstmöglichen Verischerungsperiode, üblicherweise zum Jahreswechsel. Man hat in der Kfz-Haftpflichtversicherung die gesetzlich festgeschriebene Möglichkeit, Schäden bis 500 EUR selbst zu bezahlen - auch noch bis zu 6 Monate rückwirkend - um eine Rückstufung zu verhindern. Dies kann vor dem Hintergrund Sinn machen, dass die Beitragserhöhung durch die SF-Verschlechterung höher ausfällt, als der Schaden selbst ausgemacht hat. Hierbei ist nicht nur die für die neue Versicherungsperiode fällige Erhöhung, sondern auch die für die nachfolgenden Jahre zu berücksichtigen, in denen man bis zum Erreichen des bisherigen Schadenfreiheitsrabatts nun höhere Beiträge bezahlen muss. Die Versicherungen rechnen i.d.R. selbst vor, welche Variante die preisgünstigere ist. Außerdem sollte man sich vor Augen halten, dass ein erneuter Schaden in dieser Zeit eine noch härtere Rückstufung mit sich bringt, die dann richtig teuer werden kann. Hat man einen sog. Rabattretter abgeschlossen, kann eine Rückstufuing verhindert werden. Bei einem Vollkasko-Schaden, mit dem man Kosten für die Beschädigung am eigenen PKW absichert, steht ohnehin die Überlegung im Raum, ob man die Reparatur aus eigener Tasche bezahlt oder die Versicherung in Anspruch nimmt und rückgestuft wird, je nachdem, was günstiger ist, auch im Hinblick auf eine vereinbarte Selbstbeteiligung. Es bietet sich in Abhängigkeit der Vollkasko-Typklasse und des Zeitwerts des zu versichernden Fahrzeugs an, die Selbstbeteiligung anzupassen. Wichtig zu wissen: eine Rückstufung erfolgt nur für den Bereich, in dem auch ein Schaden entstanden ist. Ein Haftpflichtschaden senkt den Haftpflicht-SF, ein etwaiger Vollkasko-SF bleibt dabei unverändert.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die typische Rückstufungspraxis der Versicherer.

Rückstufung von SF-Klasse SF-Rückstufung nach
1 Schaden 2 Schäden 3 und mehr Schäden
Haftpflicht Vollkasko Haftpflicht Vollkasko Haftpflicht Vollkasko
M M M M M M M
0 M M M M M M
S M - M - M -
SF 1/2 S SF 0 M M M M
SF 1 S SF 1/2 M M M M
SF 2 SF 1/2 SF 1 S M M M
SF 3 SF 1 SF 1 S SF 0 M M
SF 4 SF 2 SF 2 SF 1/2 SF 0 M M
SF 5 SF 2 SF 2 SF 1/2 SF 1/2 M M
SF 6 SF 3 SF 3 SF 1/2 SF 1/2 M M
SF 7 SF 3 SF 4 SF 1/2 SF 1 M M
SF 8 SF 4 SF 4 SF 1 SF 1 M M
SF 9 SF 4 SF 5 SF 1 SF 2 M SF 0
SF 10 SF 4 SF 6 SF 1 SF 2 M 0
SF 11 SF 5 SF 6 SF 1 SF 2 M 0
SF 12 SF 5 SF 7 SF 1 SF 3 M 0
SF 13 SF 5 SF 8 SF 2 SF 3 M 0
SF 14 SF 6 SF 8 SF 2 SF 4 M SF 1/2
SF 15 SF 6 SF 9 SF 2 SF 4 M SF 1/2
SF 16 SF 6 SF 9 SF 2 SF 4 M SF 1/2
SF 17 SF 7 SF 9 SF 2 SF 5 M SF 1/2
SF 18 SF 7 SF 10 SF 3 SF 5 M SF 1
SF 19 SF 9 SF 11 SF 3 SF 5 S SF 1
SF 20 SF 9 SF 12 SF 3 SF 6 S SF 1
SF 21 SF 10 SF 13 SF 4 SF 7 SF 1/2 SF 1
SF 22 SF 10 SF 14 SF 4 SF 8 SF 1/2 SF 1
SF 23 SF 10 SF 15 SF 4 SF 8 SF 1/2 SF 1
SF 24 SF 11 SF 15 SF 4 SF 8 SF 1/2 SF 1
SF 25 SF 22 SF 23 SF 4 SF 10 SF 1/2 SF 1


Der SF-Rabatt / Versicherungsprozente übernehmen

In Anbetracht der enorm hohen Prämien für Fahrzeuglenker, die noch nie ein Fahrzeug auf eigenen Namen versichert haben, stellt sich häufig die Frage, wie sich der Versicherungsbeitrag reduzieren lässt. Man kann unter bestimmten Umständen die Rabattstufe aus einem bestehenden Vertrag übernehmen. Wurde z.B. das Fahrzeug des Führerscheinneuling auf die Mutter oder den Vater versichert und dann einige Jahre gefahren, kann das Kind den Vertrag mit den bis dahin erworbenen Prozenten übernehmen, wenn nachweisbar ist, dass er mit dem Wagen regelmäßig gefahren ist. Dazu genügt in der Praxis meist eine formlose und z.T. auch nur mündliche Bestätigung der Eltern. Es können aber nur so viele schadenfreie Jahre angerechnet werden, wie das Kind selbst hätte erwerben können. Wenn der Führerschein mit 18 Jahren gemacht wurde, kann ein 22 Jähriger maximal SF4 (=4 schadenfreie Jahre) aus einem bestehenden Vertrag übernehmen. In der Regel ist das für Fahranfänger die preisgünstigere Variante, wenngleich durch Eintrag eines Führerscheinneulings als zusätzlicher Fahrer in den Vertrag der Eltern der Beitrag deutlich ansteigen wird. Dies klärt man am besten durch einen individuellen Versicherungsvergleich, bei dem der günstigste Beitrag aus möglichst vielen Versicherungsgesellschaften berechnet wird.