Der Führerschein in Deutschland ist teuer - mit welchen Kosten muss man rechnen?

Der Führerschein - für die einen ist es der erste große Schritt ins Erwachsenwerden oder in die Unabhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln, für andere ist es eine berufliche Notwendigkeit. Egal welche Motivation dahinter steht, der Reiz eine eigene Fahrerlaubnis zu besitzen ist nach wie vor ungebrochen.
Dass der Führerschein relativ teuer ist, ist im allgemeinen bekannt, doch wie hoch sind die Kosten wirklich?
Tatsächlich ist es so, dass diese Frage nicht einfach mit einer Zahl beantwortet werden kann, denn die Antwort hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, beispielsweise der gewünschten Führerscheinklasse, der Fahrschule, dem Bundesland und vor allem dem eigenen Talent.


Wieviel kostet der Führerschein?

Bis man den PKW-Führerschein (Klasse B, ehem. Klasse 3) in Händen hält, müssen zahlreiche Schritte erledigt und und auch bezahlt werden. Den Anfang macht man mit der Anmeldung bei einer Fahrschule, die auch den Antrag auf eine Fahrerlaubnis stellt. Bei der Fahrschule sind dann auch die Anmeldekosten zu bezahlen, im Laufe der Ausbildung die praktischen Regel- und Sonderfahrstunden, schließlich die Prüfgebühren und die Kosten für die Ausstellung der Fahrerlaubnis. Weitere Kosten entstehen für Passbilder, einen Sehtest und den Erste-Hilfe-Kurs sowie ggf. für Lernmaterialien.

Wieviel kostet der Führerschein in Deutschland?

ca. € 1.650
Während einerseits Kostenblöcke wie die Prüfgebühr für die theoretische und die praktische Prüfung vom jeweiligen Bundesland vorgegeben sind, gibt es für die meisten anderen keine festgelegte Gebührenverordnung. Fahrschulen sind an keine Preisvorgaben gebunden wodurch die für eine Fahrerlaubnis anfallenden Ausgaben stark variieren können.

Darum kann die folgende Aufstellung lediglich als grober Anhaltspunkt angesehen werden.

Schritte bis zum FührerscheinKosten
Antrag für eine Fahrerlaubnis€ 35-40
Passbilder€ 10-15
LSMU Kurs€ 30
Sehtest€ 10
Anmeldung bei der Fahrschule€ 90-300
Lernmaterial€ 30-80
Praktische Fahrstunden:
· Regelfahrstunde€ 30-45
· Sonderfahrstunde€ 40-55
Prüfgebühr für die Theorieprüfung€ 23
Prüfgebühr zur praktischen Fahrprüfung€ 92
Vorstellung zur Theorieprüfung€ 0-50
Vorstellung zur praktischen Fahrprüfung€ 0-150
Ausstellung des Führerscheins€ 43


Wie viele Fahrstunden vor Antritt der Fahrprüfung nötig sind, ist gesetzlich nicht geregelt. Die Vorgaben sehen lediglich vor, das zwölf Sonderfahrten stattzufinden haben.

Diese sind:
  • 5 Fahrstunden auf Bundes- oder Landesstraßen, sog. Überlandfahrten
  • 4 Fahrstunden auf Autobahnen
  • 3 Fahrstunden bei Dunkelheit oder Dämmerung, sog. Nachtfahrten


Über die Anzahl der Regelfahrstunden bestimmt rein der Fahrlehrer, der das Fahrtalent seiner Schüler zu beurteilen und zu verantworten hat. Die Fahrschule bestimmt ebenso darüber, ob sie für die Vorstellung zur theoretischen bzw. praktischen Prüfung einen zusätzlichen Beitrag erhebt.
Die Grundgebühr, die bei der Anmeldung an einer Fahrschule zu entrichten ist, gilt für die Unterrichtsstunden der Theorie. Dabei handelt es sich um 14 Doppelstunden a 90 Minuten.

Ginge man nun vom allergünstigsten Fall aus und von lediglich zwölf Regelfahrstunden würde sich der Gesamtbetrag für den Führerschein auf etwa € 1.200 belaufen.
Bedauerlicherweise ist dies unrealistisch.

Die tatsächlichen durchschnittlichen Kosten für einen Führerschein variieren je nach Bundesland.
BundeslandDurchschnittliche Führerscheinkosten
Baden-Württemberg€ 1900 – 2100
Bayern€ 1700 – 2200
Berlin€ 1700 – 2000
Brandenburg€ 1200 – 1400
Bremen€ 1500 – 1700
Hamburg€ 1400 – 1600
Hessen€ 1500 – 1900
Mecklenburg-Vorpommern€ 1400 – 1600
Niedersachsen€ 1500 – 1900
Nordrhein-Westfalen€ 1500 – 1900
Rheinland-Pfalz€ 1700 – 2000
Saarland€ 1500 – 1900
Sachsen€ 1300 – 1500
Sachsen-Anhalt€ 1200 – 1400
Schleswig-Holstein€ 1700 – 2000
Thüringen€ 1400 – 1600
Quelle: ADAC 2016


Errechnet man den bundesweiten Durchschnitt kommt man auf einen Betrag von 1.650 Euro.

Das grundsätzliche Ziel sollte nicht sein, mit möglichst wenig Fahrstunden an eine Fahrerlaubnis zu kommen. Es empfiehlt sich hingegen soviel Fahrpraxis zu sammeln wie nötig um die Prüfung erfolgreich zu bestehen und um künftig sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Kosten für eine wiederholte Fahrprüfung, Verkehrsstrafen oder sogar die eines Unfallschaden liegen weitaus höher als die von ein paar zusätzlichen Fahrstunden.


Was kostet eine Fahrstunde?

Fahrschulen verrechnen für eine reguläre Fahrunterrichtsstunde € 30 bis 45. Der Beitrag für Sonderfahrten liegt bei etwa 10 bis 15 Euro darüber, also € 40 - 60. Es gibt jedoch auch Fahrschulen die für Sonderfahrten den identischen Stundensatz verrechnen wie für normale Fahrstunden, nur liegt dieser dann etwas höher.

Wie teuer ist die Führerscheinprüfung?

Die zu zahlenden Prüfgebühr für die theoretische und praktische Fahrprüfung liegt bei € 115. Davon entfallen € 23 auf die Theorieprüfung und € 92 auf die Fahrprüfung. Diese Kosten sind fix. Muss eine Prüfung wiederholt werden fallen die Prüfgebühren in gleicher Höhe erneut an.
Viele Fahrschulen erheben von sich aus eine zusätzliche Gebühr von bis zu € 50 bzw. 150 für die Vorstellung zur jeweiligen Prüfung.

Wie wähle ich die beste Fahrschule aus?

Die Fahrschule mit dem günstigsten Angebot ist selten die beste. Da der größte Kostenblock beim Erwerb eines Führerscheins die Fahrstunden sind, ist die Fahrschule mit der qualitativ besten Ausbildung generell vorzuziehen. Eine gute Ausbildung erhöht die Chance die Führerscheinprüfung auf Anhieb zu bestehen und minimiert dadurch Folgekosten bzw. verhindert diese ganz.
Es ist darum wichtig verschiedene Fahrschulen zu besuchen um persönlich mit den Fahrlehrern zu sprechen. Achten Sie dabei auf Motivationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und ein positives Auftreten. Sympathie sollte dabei weniger eine Rolle spielen. Gleiches gilt für die zur Verfügung stehenden Fahrschulfahrzeuge. Für Fahrschulen sind diese oftmals ein Lockmittel. Für das erfolgreiche Bestehen der Fahrprüfung spielt es jedoch keine Rolle, ob man beispielsweise in einem Volkswagen oder einem Mercedes unterrichtet wird. Ist Ihr Ziel z.B. ein LKW-Führerschein ist die Sachlage natürlich eine andere.

Wenn Sie schon vorort sind, erkundigen Sie sich nach einem Kostenplan und danach welche Leistungen mit der Anmeldegebühr abgedeckt sind. Mit dieser Kostenaufstellung ist es Ihnen anschließend möglich unterschiedliche Fahrschulen miteinander zu vergleichen.

Sollten Sie bereits einen Führerschein besitzen erkundigen Sie sich, ob dies Ihre Fahrausbildung vergünstigt. Besitzen Sie beispielsweise bereits einen Zweirad-Führerschein halbiert sich die Anzahl der nötigen Theoriestunden.

Schließen Sie Fahrschulen in Nachbarorten in Ihre Recherche mit ein. Falls Sie in der Stadt wohnen erkundigen Sie sich auch bei Fahrschulen auf dem Land, da diese oftmals etwas günstiger sind.

Des Weiteren empfiehlt es sich, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören und mit Personen in Kontakt zu treten, die sich gerade bei der jeweiligen Fahrschule ausbilden lassen oder die dort bereits eine Fahrprüfung absolviert haben und darüber berichten können.

Die Summe Ihrer Eindrücke sollte es Ihnen ermöglichen eine Fahrschule zu bewerten und Ihnen die Auswahl erleichtern.
Sollten Sie nach begonnener Fahrausbildung bemerken, dass Ihre Auswahl nicht gut war, können Sie jederzeit zu einer anderen Fahrschule wechseln. Die bereits abgeleisteten Fahrstunden verfallen nicht und werden von der neuen Fahrschule angerechnet.

Kann ich die Fahrschul- und Fahrerlaubnis-Kosten reduzieren?

Durch die korrekte Wahl der Fahrschule ist der erste Schritt bereits getan. Es gibt jedoch einige weitere Möglichkeiten Ihre Ausgaben zu begrenzen.

Die Fahrstunden bilden den größten Kostenanteil, den Sie beeinflussen können. Suchen Sie das aktive Gespräch mit dem Fahrlehrer, denn er kann Ihnen aufzeigen wo Ihre Schwächen liegen und helfen diese gezielt auszubügeln. Versuchen Sie weiterhin die Fahrstunden in kurzen Abständen zu absolvieren. Je weniger Zeit zwischen dein einzelnen Fahrstunden vergeht, desto weniger "Erfahrung" geht Ihnen wieder verloren.
Eine weitere Möglichkeit routinierter zu werden ist sich über Verkehrsübungsplätze im Umkreis zu erkundigen auf denen Sie ohne Führerschein, jedoch nur in Begleitung einer Person mit Führerschein, fahren und üben dürfen. Die zusätzlich gewonnene Fahrpraxis und Sicherheit wird helfen die Anzahl der Fahrstunden zu verringern.

Der nächste logische Schritt ist sich zuhause und auch schon vorab mit dem theoretischen Unterrichtsstoff auseinanderzusetzen. Viele Bücher und Internetseiten erlauben es Ihnen zu üben. Schließen Sie sich gegebenenfalls mit anderen Fahrschülern zu einer privaten Lerngruppe zusammen. Der theoretische Unterricht wird Ihnen dadurch leichter fallen und Sie verringern das Risiko für eine Wiederholungsprüfung nochmals Prüfgebühren bezahlen zu müssen.

Der Kombiführerschein ist eine weitere Möglichkeit Kosten zu sparen. Beliebt ist seit jeher die Kombination Kfz- und Zweiradführerschein, also Klasse B und A2. Zwei Führerscheine gleichzeitig zu machen erhöht aufgrund der Menge an Fahrstunden zwar die Gesamtsumme, jedoch erspart man sich die Gebühren für eine zweite Fahrschulanmeldung, die Prüfgebühr für eine weitere Theorieprüfung und die zum Teil von den Fahrschulen erhobene Vorstellungsgebühr zur theoretischen Prüfung. Je nach Fahrschule erspart man sich dadurch mehrere hundert Euro.

Falls Sie in der Ausbildung sind oder den Führerschein für die Ausübung Ihres Berufs benötigen erkundigen Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber, ob dieser gewillt ist Ihnen die Kosten zu erstatten oder zumindest einen Teil davon zu übernehmen.

Im Falle von Arbeitslosigkeit besteht die Möglichkeit sich bei der Bundesagentur für Arbeit zu informieren, welche unter bestimmten Umständen einen Führerschein finanziert.


Wie finanziere ich den Führerschein?

Grundsätzlich erfolgt die Abrechnung erst bei Beendigung der Fahrausbildung, da erst dann ersichtlich ist wie viele Fahrstunden nötig waren. Die Gebühren für die Fahrschulanmeldung und das Lernmaterial sind jedoch meist gleich zu Anfang fällig, die Gebühren für den LSMU Kurs und die Prüfgebühren üblicherweise erst bei deren Beginn.

Wer vorausschauend plant, legt sich schon frühzeitig Geld beiseite. Die ersparte Summe sollte hoch genug sein um die Kosten für eine mögliche Wiederholung abdecken zu können.

Während einige Fahrschulen selbst ein Ratenzahlungsmodell anbieten sollte ein Bankkredit die letzte Option darstellen, da in diesem Fall Zinsen fällig werden, die die Gesamt-Führerscheinkosten erhöhen. Wer diese Möglichkeit dennoch wählt sollte darauf achten einen genügend hohen Kredit aufzunehmen, da eine Krediterhöhung bzw. ein Zweitkredit bei nicht bestandener Führerscheinprüfung schwierig sein kann.