Bares Geld mit dem Oldtimer sparen: Gewusst wie!

Oldtimer? Sind das nicht diese fein restaurieren, hochglanzpolierten Schönstwetter-Fahrzeuge, die schon, als sie Mitte der 1950er gebaut wurden, teuer waren und heute Preise aufrufen, die für Otto Normalverbraucher unerreichbar sind? Ja, das sind auch Oldtimer. Aber neben automobilen Kronjuwelen der Extraklasse mit klingenden Namen wie Ferrari, Donkervoort oder Borgward gibt es auch noch ganz andere, massengefertigte und –taugliche Oldtimer. Und die können heute ein sehr günstiges Fahrvergnügen sein, sowohl in Anschaffung wie Unterhalt.


Eine Sache der Definition

Um ein Oldtimer zu sein, muss ein Auto nicht kurz nach oder gar vor dem Krieg gefertigt worden sein. Ganz im Gegenteil, denn hierzulande gibt es sogar eine höchstrechtliche und sehr genaue Definition: Oldtimer ist jedes Fahrzeug, das mindestens 30 Jahre vor dem heutigen Datum erstmalig zugelassen wurde.
Die Definition bezieht sich dabei auf das einzelne Auto, unabhängig davon, wann die Baureihe startete. Als Beispiel: Die Mercedes-Benz E-Klasse der Baureihe W124 wurde 1984 eingeführt und bis 1997 gebaut. Heute, im Dezember 2017, wären alle W124er, die vor Dezember 1987 erstzugelassen wurden, Oldtimer. Und genau so sieht es bei jedem anderen Auto (und auch Motorrädern) aus. Ist es mindestens 30 Jahre alt, ist es in Deutschland ein Oldtimer.

Sparfaktor 1: Steuern

Sobald ein Auto diese magische Altersgrenze überschritten hat, ändert sich formal erst mal nichts. Der Wagen kann regulär angemeldet werden oder angemeldet bleiben. Dann berechnet sich seine Kfz-Steuer weiterhin über Hubraum und Schadstoffklasse. Doch weil letztere bei einem alten Auto eher schlecht ist, wird man ziemlich hohe Steuern zahlen müssen. Für einen Opel Commodore C aus den 80ern wären das beispielsweise über € 600 pro Jahr und bei hubraumstarken Amerikanern, womöglich mit Dieselmotor, ist auch die 1000-Euro-Steuerschwelle ganz schnell überschritten.

Jedoch: Mit dem 30. Geburtstag bekommt man auch die Alternativmöglichkeit, seinen Oldtimer als solchen steuerlich offiziell zu machen; der Trick heißt H-Kennzeichen. Um das zu erlangen, wird man bei einer Prüforganisation vorstellig und das Auto einer Begutachtung nach §23 StVZO unterzogen. Dabei bescheinigt der Prüfer, dass das Fahrzeug in gutem technischem Allgemeinzustand ist (es würde also eine HU-Plakette bekommen). Zudem wird auch der optische Zustand überprüft. Dabei muss ein Oldtimer nicht perfekt sein, auch altersgemäße Patina ist durchaus erlaubt.

Technischer Zustand, optischer Zustand und/oder etwaige Umbauten ergeben das Ja oder Nein für ein positives Gutachten. Mit diesem kann man das Auto auf der Zulassungsstelle zum Oldtimer umschlüsseln lassen. Die Steuer wird dann pauschal und unabhängig von Hubraum und Schadstoffklasse auf € 191,73/Jahr festgesetzt und man bekommt ein H-Kennzeichen, dessen abschließendes „H“ für Historisch steht. Sonst ändert sich nichts, man kann wie gewohnt weiterfahren und muss nach wie vor alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung.

Kürzlich kam zudem noch die Option für ein „H-Saisonkennzeichen“ hinzu. Man kann den Oldtimer also nur für einen Zeitraum zwischen zwei und elf Monaten jährlich zulassen und zahlt dementsprechend noch weniger Steuern.



Vorsicht Kostenfalle

Die Tatsache, dass quasi jedes Fahrzeug zum steuergünstigen Oldtimer werden kann, eröffnet natürlich große Möglichkeiten aber auch Risiken. Es gibt durchaus eine Menge H-würdiger Fahrzeuge, die mittlerweile nur noch vierstellige Beträge in der Anschaffung kosten (etwa Ford Fiestas aus der ersten Baureihe). Doch gerade weil es bei Oldies sehr viele Blender und noch mehr Laien bei der Preisgestaltung gibt, sollte man nur auf Fachleute hören. Zwar gibt es eine, in der ganzen Autoszene anerkannt zuverlässige Instanz für die Wertermittlung von Gebrauchtfahrzeugen, die Schwacke-Liste. Und sie umfasst auch aktuell über 30.000 Fahrzeugmodelle und Millionen von Ausstattungsvarianten und erlaubt so sehr genaue Werteinschätzung. Doch der Haken: Schwacke erfasst nur maximal zwölf Jahre alte Fahrzeuge. Für die Wertermittlung von echten Oldtimern muss man sich daher gezielt an Oldie-Internet-Portale wenden oder gleich den nach ähnlichem Prinzip wie Schwacke aufgebauten Dienst Classic Data.

Das ist gerade für Erstkäufer von Oldtimern immens wichtig. Denn hier spielen andere Regeln bei der Preisgestaltung eine Rolle als Kraftstoffart, Laufleistung, Ausstattung wie bei Autos aus diesem Jahrtausend.

Sparfaktor 2: Versicherung

Mit dem H-Kennzeichen hat man nun auch jedes Recht, bei seiner Versicherung vorbeizuschauen. Denn Versicherer gehen davon aus, dass ein H-Oldie seltener und generell schonender gefahren wird, als ein normales Auto – selbst wenn beide ansonsten altersgleich wären.

Mit dem dadurch gesenkten Risiko für den Versicherer geht oft eine Neueinstufung als Oldtimer einher, ebenfalls mit teilweise dramatisch vergünstigten Tarifen. Allerdings gibt es hier keine so angenehme Pauschalaussage wie bei der Steuer. Denn jeder Versicherer hat seine ganz eigenen Definitionen von Oldtimern, teilt sie oft weiter in Baujahre und Leistungsklasse ein. Manche fordern, dass ein zweites Auto als Alltagsfahrzeug vorhanden ist, andere schreiben eine recht geringe maximale Jahreslaufleistung vor, die meist wesentlich weniger als 10.000 Kilometer beträgt.


Doch auch hier gilt: Alles kann, nichts muss. Ein Oldtimer mit H-Kennzeichen kann auch ganz normal versichert werden. Je nachdem, um welches Modell es sich handelt, kann dieser Weg sogar der günstigere sein, insbesondere wenn man ihn als „Alltags-Oldie“ auch für den (schönwetter-) Weg zur Arbeit verwenden möchte.

Sparfaktor 3: Umweltplakette

Doch mit Steuer und Versicherung ist noch nicht das Ende der Spar-Fahnenstange erreicht. Denn obgleich der Spargedanke bei Oldtimern kein Geheimnis ist, sind aktuell in Deutschland nur 381.027 Autos auf ein H-Kennzeichen zugelassen – von insgesamt ungefähr 45,8 Millionen PKW. Eine verschwindend geringe Zahl also, die nicht mal ein Prozent beträgt.

Und obschon natürlich so mancher Oldie für sich genommen und im Vergleich mit modernen Autos durchaus „schadstoffstark“ ist und aus seinem Auspuff enorme Mengen an Feinstaub kommen, ist die große Masse der Oldtimer einfach so gering, dass der Gesetzgeber sie als vernachlässigbar ansieht. So vernachlässigbar, dass Oldtimer als praktisch einzige Fahrzeugkategorie Deutschlands nicht unter die Umweltplakettenregelung fallen.

Ganz recht, mit einem H auf dem Kennzeichen darf man in jede Umweltzone einfahren, ist von keinem aktuellen (und geplanten) Fahrverbot betroffen
Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Selbst eine 2016er Meldung, wonach die Grünen Oldtimer aus der Ausnahmeregelung werfen wollen, entpuppte sich nach großem Szene-Rauschen als falsch, die Partei wies sie von sich.

Problem Verbrauch?

Wir kommen zum einzigen Punkt, der die Rechnung ein wenig eintrüben könnte, dem Oldtimer-Spritverbrauch. Generell ist das ein Thema mit vielen Ungleichungen. Ganz pauschal betrachtet könnte man natürlich sagen, dass Oldtimer immer mehr verbrauchen als zeitgenössische Fahrzeuge.

Doch gerade weil eben schon Fahrzeuge der späten 80er auf dieser Liste stehen, lässt sich die früher oft kolportierte Mär vom Spritsäufer nicht mehr halten. Denn in den 80ern gab es bereits:
  • Elektronische Einspritzsysteme
  • Systeme zur Schubabschaltung
  • Bleifreies Benzin
  • Geregelte Katalysatoren
  • Luftmengen- und –massenmesser, welche die Kraftstoffmenge in genaue Relation zur Ansaugluft setzen


Doch keine Regel ohne Ausnahme. Denn je weiter man in den Baujahren zurückgeht, desto eher fehlen all diese Helfer und desto höher wird der Spritverbrauch auch bei kleinen Motoren. Für einen Trabbi etwa, mit seinem kleinen 1,1-Liter-Motor, geben unsere meisten User trotzdem Verbräuche an, die stark in Richtung acht Liter tendieren. Und dass ein Ford Granada 2,6 aus den 70ern sich schnell mal zwölf Liter und mehr genehmigt, selbst wenn man vorausschauend fährt, ist auch eine Tatsache.

Damit gilt also beim Sprit bei den Oldtimern die gleiche Grundregel, die man auch heute anlegt: So neu und leistungsschwach wie möglich, dann kann man selbst mit alten Schätzchen nicht nur bei Steuer und Versicherung, sondern auch an der Tankstelle gewaltig sparen.

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