Das wird nicht billig! Die teuersten ungeplanten und selbstverantworteten Auto-Ausgaben.

Immer schön die Reifenluft prüfen, die Kosten für die Versicherung etwas drücken und dann werden schon keine finanziellen Auto-Überraschungen passieren… Oder etwa nicht? Natürlich gibt es am Auto viele Faktoren, die man kaum kontrollieren kann und die trotzdem bestimmen, wie stark der Wagen den eigenen Geldbeutel belastet. Doch daneben gibt es auch noch einige Verhaltensweisen, die führen entweder direkt oder indirekt in eine ziemlich tiefe Kostenfalle. Wer also kein Geld wie Heu hat, sollte die folgenden Dinge besser nicht tun.

1. Wartungsstau

Der erste Punkt steht mit voller Absicht an diesem Platz. Nicht weil er zwingend der teuerste ist, sondern weil er so häufig vorkommt. Worum geht es? Um Wartungsstau. Damit bezeichnet der Fachmann einen Zustand, an dem notwendige Wartungs- oder sogar Reparaturarbeiten nicht durchgeführt werden und sich deshalb hintereinander stauen wie Urlaubsreisende zu Ferienbeginn auf einer Autobahn.



Benutztes Öl wird nicht von selbst schwarz. Das ist „Motorschmutz“, der nur durch regelmäßigen Ölwechsel entfernt werden kann.
Doch warum lassen es so viele Autofahrer dazu kommen? Ganz einfach: falsch verstandene Sparsamkeit in Kombination mit Unkenntnis darüber, was unter den Oberbegriff "Wartung" fällt. Um den Wartungsstau etwas transparenter zu machen, führen wir mal einen typischen Ablauf auf. Er beginnt ganz harmlos:
  • Man kontrolliert nicht, wie eigentlich empfohlen, bei jedem Tankvorgang den Ölstand
  • Irgendwann zieht man den Messstab heraus und stellt entsetzt fest "viel zu wenig".
  • Man kauft an der Tankstelle schnell "irgendein" Motoröl, ohne einen Blick in die Gebrauchsanweisung zu werfen, füllt auf und fährt weiter.
  • Man ignoriert die Warnanzeige am Tacho, die einen auffordert, das Auto in die Inspektion zu bringen. Schlecht, denn darunter fällt auch der Ölwechsel.
  • Man fährt weiter und wiederholt die Schritte 1-3 regelmäßig – ist ja immer "frisches" Öl im Motor.
Und weil dieser Mix aus verschiedenen Öl-Sorten und –Alterungszuständen niemals abgelassen wurde, schwimmen darin sämtliche Verbrennungsrückstände, die in zehntausenden Kilometern anfielen. Das Öl verklumpt regelrecht, irgendwann ist der Ölfilter verstopft (natürlich nachts auf der Autobahn bei Regen) und wenn die Werkstatt den Motor auseinandernimmt, sieht er innen nicht nur wie mit schwarzem Honig verschmiert aus, sondern die Rechnungen beträgt auch ein Vielfaches dessen, was man selbst in der Markenwerkstatt für die nötigen Inspektionen bezahlt hätte – den Spott der Mechaniker gibt’s umsonst dazu.
Natürlich sind Wartungsarbeiten teuer. Aber ausgerechnet daran zu sparen, fordert es geradezu heraus, später eine wesentlich höhere Reparaturrechnung bezahlen zu müssen – und zudem vielleicht auch auf Gewährleistungsansprüche verzichten zu müssen, weil diese an ein lückenlos geführtes Inspektionsheft gekoppelt sind.

2. Unfall-Kopflosigkeit

Es ist passiert: Der Wartungsstau hat dazu geführt, dass der Motor auf der Autobahn seinen letzten Atemzug tat. Und an diesem Punkt kann es nicht nur teuer werden, sondern auch noch lebensgefährlich.
Ein teurer, aber typischer Fehler: Das Warndreieck nur wenige Schritte hinterm Auto aufstellen. Selbst innerorts sollten es mindestens 50m sein.
Das Auto rollt an einer etwas ungünstigen Stelle aus und man begeht gleich den ersten Fehler und steigt auf der Fahrerseite aus. Der von hinten kommende PKW kann nicht mehr bremsen, rasiert einem die Fahrertür ab und kommt mit quietschenden Reifen vor einem auf der Standspur zum Stehen.
Wie man sich jetzt verhält, entscheidet maßgeblich darüber, ob es beim Ärger und den Reparaturkosten bleibt oder ob sich noch mehr anschließt. Denn es gibt für jeden Unfall eine klare Abfolge von Vorgehensweisen:
  1. Unfallstelle sichern. Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen und das Warndreieck 50m (Gerade, innerorts) bzw. 150m (in Kurvennähe) und sogar bis 400 Meter (Autobahn) hinter der Unfallstelle aufstellen. Nicht "zehn Schritte".
  2. Erste Hilfe leisten. Man kann nicht wegen Fehlern haftbar gemacht werden – wohl aber wegen unterlassener Hilfeleistung. Und dann die 112 anrufen
  3. Bei Personenschäden sowieso und bei hohen Sachschäden und fehlender Einigung ebenfalls die Polizei hinzuziehen
  4. Beweise sichern: Daten von Beteiligten und Zeugen sammeln, genügend Fotos machen, Unfallbericht ausfüllen
Nur in dieser Reihenfolge erspart man sich weiteren Ärger. Schon bei einem falsch aufgestellten Warndreieck haftet man bei dadurch ausgelösten Unfällen zur Hälfte mit. Und auf unterlassene Hilfeleistung stehen ein Jahr Haft und/oder hohe Geldstrafen.

3. Reifen-Störrigkeit

Sämtliche Polizisten, deren Revier jenseits von Deutschlands schneereichen Gebieten liegt, können ein Lied von diesem Autofahrerschlag singen. Eigentlich sind es zwei Gruppen:
  • Diejenigen, die im Winter Sommerreifen montiert haben
  • Diejenigen, die auf Allwetterreifen unterwegs sind
Fangen wir mit ersteren an: Wer Sommerreifen im Winter fährt, ist schon per se fahrlässig unterwegs. Denn die Ausrede "es schneit doch gar nicht" war schon immer schlecht, zieht aber seit der jüngsten Gesetzesnovelle noch weniger. In Deutschland herrschtsituative Winterreifenpflicht, das bedeutet, auf Glatteis, Schnee in jeglicher Form und auch Reifglätte herrscht Sommerreifenverbot – Punkt. Wird man erwischt, zahlt man auf jeden Fall 60 Euro (behindert man den Verkehrt, etwa weil man am Berg nicht weiterkommt, auch 80) und es gibt einen Punkt – sofern man wegen der Sommerreifen nicht noch einen vermeidbaren Unfall baut und einem die Versicherung nicht so manche Zahlung verweigert, etwa bei Vollkasko die Schäden am eigenen Auto.
Nur das ist ein gesetzeskonformer Winterreifen: M+S und das Schneeflocken-Symbol (farbliche Hervorhebung durch uns)
Bei der Gruppe der Allwetter- oder Ganzjahresreifenbesitzer ist die Sachlage zwar weniger fahrlässig und ihnen kommt zupass, dass die letzte Gesetzesänderung schlecht kommuniziert wurde, dennoch handelt es sich auch hier um vermeidbaren Ärger. Denn Allwetterreifen dürfen nur dann im Winter gefahren werden, wenn auf ihrer Flanke sowohl M+S wie das Schneeflocken-Symbol zu finden ist. Dieser Passus trat erst 2017 in Kraft. Und selbst dann gilt, ein dedizierter Winterreifen ist immer einem Ganzjahresreifen überlegen und hat im Notfall die besseren Grip-Eigenschaften, die vielleicht einen Unfall verhindern oder abmildern können.
Beide Typen von Autofahrern eint ebenfalls falsch verstandene Sparsamkeit, denn zwei Sätze Reifen kosten nicht nur an und für sich, sondern benötigen auch einen zweiten Satz Felgen und das regelmäßige Um-Montieren. Dennoch gilt: Sobald die Nachttemperaturen regelmäßig unter 10°C liegen, sollte man die 30 Euro zücken, die das Aufziehen der Winterreifen kostet. Und selbst wenn man einen ganzen Reifensatz zahlen muss, ist das immer noch billiger als alles, was durch Unterlassung nachkommen kann.


4. Auto-Ausgaben kompakt

Diese drei überflüssigen Ausgaben fürs Auto kommen schon deshalb am häufigsten vor, weil es sich dabei um klassische "Unterlassungs-Faulheit" handelt, vor der praktisch keiner gefeit ist. Doch es gibt auch noch andere ungeplante Ausgaben, die sind vielleicht nicht mal selbstverantwortet, aber trotzdem ziemlich teuer:
  • Falsches Tanken. Zwar verhindert der größere Zapfpistolen-Durchmesser, dass man Diesel in einen Benziner tankt. Umgekehrt kann es jedoch schnell passieren. In jedem Fall muss mindestens das gesamte Kraftstoffsystem gereinigt werden. Kostenpunkt ca. 1000 Euro. Gehen jedoch Bauteile dadurch kaputt, liegen schnell fünfstellige Summen an.
  • Zu schonendes oder forderndes Fahren mit Neuwagen. Moderne Motoren haben zwar bereits eine Einlaufphase hinter sich, sollten aber dennoch auf den ersten 2000 Kilometern nicht über 4000 1/min drehen, jedoch auch nicht in tiefen Touren gequält werden.
  • Den TÜV überziehen. Zwei bis vier Monate für 15€ Strafe und 4 bis 8 für 25€ sind zwar verschmerzbar, darüber werden es jedoch 60€ und ein Punkt.
  • Straßenrennen. Diese werden seit diesem Jahr mit bis zu zwei Jahren Haft und Geldstrafe geahndet – werden dabei Menschenleben gefährdet, drohen sogar fünf und bei Verletzungen bzw. Todesfolge zehn Jahre. Und immer darf zudem das Auto ersatzlos beschlagnahmt und anschließend versteigert werden.
Übrigens kennt der Bußgeldkatalog auch noch diverse "Kleinstrafen", von denen die meisten mit Sicherheit nicht aus böser Absicht begangen wurden, aber eben auch Geld kosten. Vermeidbare Abgase und Autolärm schlagen jeweils mit zehn Euro zu Buche – und können schon dadurch entstehen, dass man beim ansonsten vorbildlichen Eiskratzen (nicht gänzlich freigekratzte Scheiben kosten übrigens auch zehn Euro) den Motor laufen lässt. Unnützes Hin- und Herfahren kostet gleich 20 Euro. Und wer ohne Plakette in eine Umweltzone einfährt, darf gleich 80 Euro bezahlen.

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