Ikonische Front: BMW M4 Coupé mit großen Lufteinlässen
Ikonische Front: BMW M4 Coupé mit großen Lufteinlässen

Ein kritischer Blick auf das BMW M4 Coupé: Technische Brillanz, Fahrspaß und die Kostenfrage

< Johannes Kreipl, racing-tec.de - 29.06.2024 >

Sportlichkeit & Fahrspaß

Das Herz des BMW M4 Coupé der Baureihe F82 ist sein 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit TwinPower Turbo-Technologie, der satte 431 PS auf die Hinterräder schickt. Sein maximales Drehmoment von 550 Nm liegt breit gestreut zwischen 1.850 und 5.500 U/min an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt, bei elektronischer Abriegelung, bei 250 km/h. Mittels des optionalen M Driver's Package lässt sich dieser Wert auf 280 km/h anheben. Zahlen, die auf den ersten Blick beeindrucken, doch was bedeuten sie für die Dynamik und den Fahrspaß?

Dort ist er zuhause - der M4 auf einer Passtrasse
Dort ist er zuhause - der M4 auf einer Passtrasse

Die rohe Kraft dieses Münchner Sportlers ist unbestreitbar: Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,1 Sekunden, auf 200 in etwas über 12 sec. und einem knackigen Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h in 3,2 Sekunden im vierten Gang lässt das Coupé viele Wettbewerber hinter sich. Während der Allradantrieb in anderen Modellen wie dem Mercedes-AMG C63 für erhöhte Traktion sorgt, setzen die Münchner beim M4 Coupé auf klassischen Heckantrieb. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Im Vergleich zum Vorgängermodell E92 mit seinem hochdrehenden V8-Saugmotor fehlt es dem F82 an Drehfreude und Spontaneität im oberen Drehzahlbereich. Die turbobedingte Trägheit und die merkliche Leistungsabnahme jenseits der 5.500 U/min stehen in starkem Kontrast zur unmittelbaren Reaktion und der linearen Leistungsentfaltung des Saugmotors des alten Achtenders, auch wenn dieser "untenrum" auch etwas träge zu Werke ging.

Doch wie schlägt sich der F82 gegen seinen Nachfolger, den aktuellen M4 aus der G82-Baureihe? Mit seinen 480 PS ist der neue M4 auf dem Papier kräftiger, doch der Charakter des Motors ist dem des F82 sehr ähnlich. Auch hier ist das Power-Band schmal und der Leistungseinbruch oberhalb der 5.500 U/min noch ausgeprägter. Am neuen Modell haben die Münchner M Ingeniere an so vielen Stellschrauben gedreht und feinabgestimmt, dass ein noch performanteres, schnelleres, steiferes und besser handelbares Sportgerät entstanden ist, trotz Gewichtszunahme. In Sachen Charakter hat er durch den hohen Perfektionsgrad jedoch Federn gelassen.

Der 2014er M4 zeigt in puncto Fahrwerk eine hervorragende Performance. Die M spezifische Doppelgelenk-Federbein-Vorderachse und die Fünflenker-Hinterachse liefern in Verbindung mit der ausgewogenen Gewichtsverteilung von 52:48 (vorne/hinten) ein präzises Handling und eine hohe Spurtreue in Kurven. Doch auch hier entpuppt sich die Hecklastigkeit des M4 als zweischneidiges Schwert: Bei hohen Geschwindigkeiten und schnellen Lastwechseln neigt das Heck zum Ausbrechen, was beherztes und schnelles Gegenlenken erfordert. Im Vergleich dazu bietet der schwerere E92 mit seinem breiteren Drehzahlband eine stabilere und vorhersehbarere Kurvenlage.

Bei der Bremse lässt der F82, ähnlich wie schon seine Vorgänger E92 und E46, etwas zu wünschen übrig. Trotz der potenten M Compound-Bremsanlage mit 380 mm Scheiben vorne und 370 mm hinten kommt es bei hoher Belastung zu spürbarem Fading. Die optional erhältliche Carbon-Keramik-Bremse, mit ihren 400 mm Scheiben vorne und 380 mm hinten, bietet hier klar den besseren Druckpunkt und eine konstantere Performance. Der Nachfolger G82 geht mit seiner verbesserten Bremsanlage diesen Kritikpunkt direkt an, die Standfestigkeit wird nun dem hohen Leistungsvermögen gerecht.

Familienfoto: BMW M3 E46 und zwei Generationen später, der 2014er M4
Familienfoto: BMW M3 E46 und zwei Generationen später, der 2014er M4

Für den richtigen Grip sorgen die serienmäßigen 18-Zoll M Leichtmetallräder mit Mischbereifung (vorne 255/40 ZR18, hinten 275/40 ZR18). Bei trockener Fahrbahn haften sie wie Klebstoff auf dem Asphalt, während sie bei nasser Fahrbahn etwas nachlassen, was von erfahrenen Fahrern als willkommene Herausforderung betrachtet wird. Die optional erhältlichen 20-Zoll-Mischbereifungen bieten für Fahrten auf der Rennstrecke oder bei besonders sportlicher Fahrweise nochmals verbesserten Grip und verbessern die Optik, gehen aber auf Kosten des Langstreckenkomforts.

Eine Besonderheit ist das optionale BMW-typische Doppelkupplungsgetriebe, das schnelle und nahtlose Gangwechsel ermöglicht. Ein Handschaltgetriebe mit sechs Gängen war serienmäßig erhältlich. Darüber hinaus verfügt das M4 Coupé über die adaptive M-Fahrwerkstechnologie, die eine schöne Balance zwischen Fahrkomfort und sportlicher Leistung bietet. Die Spreizung zwischen den einzelnen Modi ist zwar nicht überragend, aber doch gut spürbar. Nicht zu vergessen sind auch die M-spezifischen Komponenten, wie das M-Differential und die M-Servotronic, die für das M-typische, dynamische Fahrverhalten sorgen. Trotz aller technischen Raffinessen sind Sound und Charakter, durch Geräusch- und Abgasvorschriften und die Entscheidung auf Zwangsbeatmung zu wechseln, bei den alten Modellen emotionaler.

Raumangebot, Reisekomfort und Reisetauglichkeit

Auch wenn der M4 ein sportliches Coupé ist, bietet er dennoch ein überraschend gutes Raumangebot. Vorne ist der Platz großzügig und die Sportsitze bieten guten Halt und Komfort. Im Fond ist der Raum jedoch begrenzter und bietet eher Platz für zwei kleinere Personen. Die 445 Liter Kofferraumvolumen sind für ein Coupé beachtlich und ermöglichen praktische Alltagseinsätze.

Trotz seiner sportlichen Natur ist der M4 durchaus reisetauglich. Diesen Anspruch erfüllen seit jeher die M-Modelle, sie wollen die Reise- und Platzqualitäten mit wesentlich mehr Sportlichkeit verbinden. Mit dem adaptiven M-Fahrwerk lässt sich der Wagen auch recht komfortabel fahren und bietet auch auf längeren Fahrten ein gefälliges Fahrerlebnis. Dennoch sollte beachtet werden, dass aufgrund des sportlichen Charakters des M4 der Komfort deutlich hinter dem eines herkömmlichen 4er Coupés zurückbleibt. Insbesondere das Fahrgeräusch und die harten Sportsitze können auf langen Strecken als anstrengend empfunden werden.

Pannenstatistik, Stärken und Problemstellen bei gebrauchten BMW M4

Generell kann gesagt werden, dass der M4 eine solide Zuverlässigkeit aufweist, jedoch einige spezifische Bereiche beachtet werden sollten.

Laut Pannenstatistik sind bei einigen Modellen Probleme mit dem Hochdruck-Kraftstoffpumpen-System aufgetreten. Insbesondere bei den frühen Modelljahren des M4 kann es zu Ausfällen oder Funktionsstörungen der Kraftstoffpumpe kommen, was zu Leistungsverlust und Startschwierigkeiten führen kann. Es wird empfohlen, bei einem potenziellen Gebrauchtwagenkauf den Zustand von Pumpe und Kraftstoffsystem sorgfältig zu überprüfen oder idealerweise auf ein Modell mit bereits ausgetauschten Komponenten zurückzugreifen.

Elegante und aerodynamische Dachlinie: dafür steht das Coupé
Elegante und aerodynamische Dachlinie: dafür steht das Coupé

Eine weitere Schwachstelle, die bei gebrauchten M4-Modellen berücksichtigt werden sollte, ist die Kupplung. Bei einigen Fahrzeugen wurde über vorzeitigen Verschleiß berichtet, insbesondere bei intensiver Nutzung und sportlicher Fahrweise. Es empfiehlt sich, den Kupplungszustand zu prüfen und das Fahrverhalten des Vorbesitzers einzuschätzen, um sich vor Folgekosten zu schützen.

Ein weiteres bekanntes Problem bei frühen Modellen des M4 betrifft das Getriebe, vorzeitiger Verschleiß ist auch hier ein bekanntes Phänomen. Insbesondere die 6-Gang-Schaltgetriebe sind anfällig für Probleme, wie zum Beispiel hakelige Schaltvorgänge oder ein erhöhter Verschleiß der Synchronringe. Bei einer Probefahrt aufmerksam auf die Schaltbarkeit und die allgemeine Funktionsweise des Getriebes zu achten, ist ratsam.

Zusätzlich zu den genannten Schwachstellen sollte auch der Zustand der Bremsen und der Fahrwerkskomponenten überprüft werden. Bei intensiver Nutzung kann es zu einem erhöhten Verschleiß der Bremsbeläge und Bremsscheiben kommen. Ein ungleichmäßiger Verschleiß der Reifen kann auf Probleme mit der Fahrwerksgeometrie hinweisen und sollte ebenfalls beachtet werden.

Trotz dieser kritischen Bereiche ist festzustellen, dass diese nicht generell auftreten, sondern nur vereinzelt. Sehr viele BMW M4-Modelle sind auf der Straße, die ohne größere Probleme eine hohe Laufleistung erreichen. Eine gründliche Inspektion und Probefahrt sollte man vor dem Gebrauchtwagenkauf durchführen, ebenso regelmäßige Wartungs- und Serviceintervalle prüfen.

Qualitätsanmutung bei Material und Verarbeitung

Das Heck ist  erkennbar an 4-flutigen Abgasrohren
Das Heck ist erkennbar an 4-flutigen Abgasrohren

Generell sind BMWs seit Jahren bekannt für hochwertige Materialien und präzise Verarbeitung. Der M4 bildet hier keine Ausnahme und bietet eine durchweg solide Qualität. Allerdings gibt es bei gebrauchten Modellen aus den Jahren 2014-2020 einige Aspekte zu beachten, insbesondere im Hinblick auf die Langzeitqualität.

Kritisch betrachtet werden sollten Armaturenbrett und die Verkleidungselemente im Innenraum. Bei einigen M4-Modellen aus den frühen Produktionsjahren können sich die Kunststoffverkleidungen im Laufe der Zeit lockern oder klappern. Es empfiehlt sich, während der Probefahrt und bei einer eingehenden Inspektion auf etwaige Geräusche oder Anzeichen von Verschleiß an diesen Elementen zu achten. Bei neueren Modellen wurden diese Mängel nach und nach beseitigt.

Die Qualität der Ledersitze und des Interieurs insgesamt sind tadellos. Bei intensiver Nutzung und mangelnder Pflege kann es insbesondere bei den vorderen Sitzen kommen, abgewetzte Sitzwangen und verformtes Leder auf den Sitzflächen sind typisch.

Bedienung, iDrive System

Die Bedienung des BMW M4 Coupé ist durch das bekannte iDrive System intuitiv und benutzerfreundlich gestaltet. Das zentrale Bedienelement, der iDrive Controller, ermöglicht eine einfache und präzise Steuerung vieler Funktionen des Fahrzeugs. Mit Hilfe dieses Dreh-Drückstellers auf der Mittelkonsole kann der Fahrer bequem auf das Infotainment-System, das Navigationssystem und andere Fahrzeugeinstellungen zugreifen. Die Menüführung ist logisch aufgebaut und die Darstellung auf dem hochauflösenden Bildschirm ist klar und gut ablesbar. Dank der Integration von modernen Konnektivitätsfunktionen ist der M4 auch in der Lage, nahtlos mit externen Geräten wie Smartphones zu kommunizieren und verschiedene Online-Dienste zu nutzen. Bluetooth Konnektivität ist selbstverständlich, die Einbindung von Apple CarPlay und Android Auto vom Softwarestand abhängig.

Wertentwicklung M4 und Sondermodelle

Erkennungsmerkmal von GTS und CS: LED-Heckleuchten mit 3D-Effekt
Erkennungsmerkmal von GTS und CS: LED-Heckleuchten mit 3D-Effekt

Die Wertentwicklung des BMW M4 Coupé ist ein interessanter Aspekt für potenzielle Käufer. Aufgrund seiner sportlichen Ausrichtung und seines exklusiven Charakters behält der M4 in der Regel einen hohen Restwert. Die Jahre 2020 bis 2023 haben dies eindrücklich gezeigt, aus verschiedenen Gründen. Die reine Competition-Ausführung mit 450 PS bringt keinen signifikanten Vorteil. Besonders begehrt und in Sachen potenzieller Wertzuwachs sinnvoll sind aber nur limitierte Sondermodelle wie der CS und der seltene GTS, die mit besonderen Ausstattungsmerkmalen und exklusiven Designelementen aufwarten. Diese Modelle sind heute schon sehr teuer und können sich langfristig als gute Wertanlage erweisen. In der aktuellen Mobilitätswende ist eine weitergehende Entwicklung des Preisniveaus aber nicht seriös abzuschätzen.

Verbrauch und Reichweite

Beliebte und auffällige Farbe am M4 war das helle Yas Marina Blau
Beliebte und auffällige Farbe am M4 war das helle Yas Marina Blau

Der Verbrauch des BMW M4 Coupé ist ein Thema, das bei einem leistungsstarken Sportwagen zwar nicht ganz oben auf der Liste stehen, aber dennoch berücksichtigt werden sollte. Der kombinierte Kraftstoffverbrauch liegt laut Hersteller bei etwa 8,3 bis 8,8 Litern auf 100 Kilometern. Der von uns ermittelte Realvebrauch befindet sich eher in der Region um 13 Litern. Die Reichweite des M4 ist mit einem Tankvolumen von nur ca. 60 Litern auf etwa 450km zu beziffern, ein solider Wert, den man mit sanftem Gasfuß leicht unterbieten kann.

Kosten und Unterhalt

Die monatlichen Unterhaltskosten für das BMW M4 Coupe belaufen sich auf etwa 615 € (Stand 29.06.23). Dafür wurden eine Schadenfreiheitsklasse SF3 mit einem Schadenfreiheitsrabatt von 51% der Beitragshöhe bei der Haftpflichtversicherung und 47% bei einer Vollkaskoversicherung angenomme. Grundlage dieser Berechnung ist auch die Annahme, dass das Fahrzeug der Abgasnorm EURO6 entspricht und jährlich 15.000 km zurücklegt werden. Die genannten Kosten setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen, darunter Versicherung, Kfz-Steuer, Kraftstoffkosten und Inspektionskosten. Die Kosten pro Kilometer belaufen sich auf etwa 0,49 €.

Der Wertverlust ist ein weiterer wichtiger Kostenfaktor. Für ein BMW M4 Coupé aus Baujahr 2014 beträgt dieser für die nächsten drei Jahre jeweils etwa 2.200 € p.a..

Kostenvergleich mit ähnlichen Modellen

Im Vergleich zu anderen Fahrzeugen ist das BMW M4 Coupe teuer im Unterhalt, bezogen auf die gesamte PKW-Mittelklasse. Wir bewerten das M4 Coupe mit 1,8 von 5 Sternen, was auf hohe Gesamtkosten hinweist. Besonders hervorzuheben sind einerseits die niedrigen Kfz-Steuern, die allerdings durch die hohen Wartungskosten und die teure Versicherungseinstufung ausgeglichen werden.

Im direkten Vergleich ist das M4 Coupe teurer als der Infiniti Q50 3.0 (538 €), der Mercedes C63 AMG (604 €) und der BMW M2 (614 €). Allerdings ist es günstiger als der Cadillac CTS V (764 €).

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