Wann ist Carsharing günstiger als ein eigenes Auto?

Datenstand: Januar 2018

Carsharing - eine echte Alternative?

Wer den Steuerbescheid, die Abbuchung der Versicherung, seine Tankbelege und Werkstattrechnungen betrachtet fragt sich gerne, ob ein Auto nicht auch etwas günstiger zu unterhalten ist. Konkrete Einsparmöglichkeiten gibt es, sie sind aber begrenzt. Autofahren kostet Geld, das ist klar. Nur muss es wirklich so teuer sein?

Wer nicht nur in seiner Freizeit oder gelegentlich auf ein Auto angewiesen ist, sondern es beruflich nutzt oder damit täglich seinen Arbeitsweg zurücklegt, kann das Thema Carsharing direkt als unbrauchbar abhaken. Die geforderte Verfügbarkeit und Flexibilität kann diese Mobilitätsvariante einfach nicht bieten. Für Gelegenheitsnutzer, die in einem Ballungsraum oder zumindest einer Region mit einem entsprechenden Anbieter leben, kann diese Form der Fahrzeugnutzung aber tatsächlich eine bessere und kostengünstigere Alternative zum eigenen Auto sein. Der Mobilitätsmix aus mehreren Transportmitteln, ÖPNV, Fahrrad und PKW, bietet in Gebieten mit der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile.



Was ist Carsharing?

Wie der englische Begriff besagt, handelt es sich beim Carsharing um eine gemeinschaftliche und organisierte Nutzung von Fahrzeugen. Das Konzept versteht sich als Zusatz zum öffentlichen Nahverkehr (Bus & Bahn). Dabei wird mit dem Anbieter, der auch Eigentümer der Fahrzeuge ist, ein Rahmenvertrag abgeschlossen. Nach erfolgreicher Registrierung und Validierung des Führerscheins kann der Kunde ein Fahrzeug buchen. Die Buchung erfolgt per App, telefonisch oder per Internet. Bei der Abholung des Autos dient das Smartphone als elektronischer Schlüssel, der zum Öffnen des Fahrzeugs bzw. eines Schlüsseltresors dient. Gestartet wird das Fahrzeug mit einem Schlüssel, einer Pin bzw. mithilfe einer Chipkarte. Nach der Nutzung erfolgt die Abrechnung. Da es sich um eine Kurzzeitmiete handelt wird auf Grundlage der Nutzungsdauer bzw. auch der gefahrenen Fahrtstrecke abgerechnet. Zusätzliche Kosten z.B. für Benzin oder eine Versicherung fallen nicht an. Diese sind im Mietpreis enthalten. Die Rechnung erhält der Nutzer in Form einer Email, der zu zahlende Betrag wird in der Regel via Einzugsermächtigung vom Konto abgebucht. Beim Carsharing wird zwischen zwei Varianten unterschieden.

  • Stationsbasiertes Carsharing
  • Free-Floating Carsharing


Beim stationsbasierten Carsharing sind die Fahrzeuge auf vordefinierten Stellplätzen geparkt. Dort werden sie abgeholt und anschließend wieder abgestellt. Der Nutzer hat damit eine fixe Anlaufstelle. Die Abgabezeit wird im vorhinein vereinbart. Eine vorhergehende Reservierung ist möglich. Beim Free-Floating können die Fahrzeuge in einem vom Anbieter vorgegebenen Gebiet frei geparkt werden. Einen festen Standort gibt es nicht. Die Fahrzeuge sind mit einem Ortungssystem ausgestattet, welches es den Nutzern erlaubt sie mit einer Handy-App zu finden. Die Variante ist für einfache Fahrten ohne Rückfahrt interessant. Sie ist gegenüber dem stationsbasierten System teurer und eignet sich mehr für spontane Fahrten. Um Kunden die Vorteile beider Varianten zu ermöglichen bieten einige Anbieter auch Kombiangebote an.



Worin liegt der Unterschied zu einer Autovermietung?


  • Es muss nicht vor jeder Fahrzeugmiete ein Einzelvertrag abgeschlossen werden
  • Kurzzeitnutzungen sind möglich, da die Abrechnung auf Zeit und nicht tageweise erfolgt
  • Bei der Buchung, Abholung und Rückgabe des Fahrzeugs ist der Nutzer nicht von Filialöffnungszeiten abhängig
  • Die üblichen Buchungsformalitäten entfallen
  • Die Abrechnung erfolgt automatisiert
  • Das Auto muss vor Abgabe nicht voll getankt werden
  • Carsharing ist dezentral d.h. Stationen sind nicht nur in Stadtzentren sondern auch in Wohngebieten zu finden


Carsharing ist bei Anbietern wie Flinkster, Car2Go oder DriveNow bequem mit einer Smartphone-App zu nutzen.


Die Vor- und Nachteile von Carsharing


Keine Anschaffungs- und Fixkosten

Wer Carsharing nutzt erspart sich nicht nur die Anschaffung eines eigenen Pkw, sondern auch die Ausgaben für Kfz-Steuer- und Versicherung. Diese Fixkosten sind in den Nutzungsgebühren enthalten und werden somit auf alle Nutzer verteilt. Monatliche Kosten für eine Garage bzw. einen Stellplatz fallen ebenso wenig an.

Keine Wartungs- und Reparaturkosten

Wer kein eigenes Auto besitzt muss sich auch nicht um Wartungstermine kümmern. Dies übernimmt der jeweilige Anbieter. Der Kunde profitiert dadurch mehrfach. Er erspart sich Zeit und Geld und besitzt gleichzeitig ein Auto welches sich jederzeit in technisch gutem Zustand befindet.

Die Fahrzeuge werden effizient genutzt

Ein Privat-Pkw steht in der Regel länger als es fährt. Während der Standzeit fallen Fixkosten ebenso an wie der Wertverlust. Carsharing Fahrzeuge haben geringe Standzeiten und werden dadurch effizienter eingesetzt.

Fahrzeugflotten bestehend aus aktuellen Modellen

Wie Mietwägen werden auch Carsharing-Fahrzeuge nach drei bis vier Jahren durch neue Modelle ersetzt. Dadurch sind die Fahrzeuge bzgl. Sicherheit und Technik stets auf dem aktuellen Stand. Das Risiko technischer Problem ist dadurch sehr gering.

Fahrzeugmodell nach Wahl

Beim eigenen Auto muss vor dem Kauf entschieden werden für welches Modell man sich für die nächsten Jahre festlegt. Beim Carsharing existiert stattdessen die Möglichkeit zwischen mehreren Modellen zu wählen. Je nach Anbieter reicht das vom Kleinstwagen und Cabrio bis zum Transporter.

Aktiver Beitrag zum Umweltschutz

Carsharing unterstützt die Umwelt auf vielfache Weise. Der Einsatz aktueller Fahrzeugmodelle ebenso wie von Elektrofahrzeugen führt vor allem in Innenstädten zu geringeren Lärm- und Emissionsbelastungen. Mit der steigenden Akzeptanz verringert sich langfristig die Anzahl von Privat-Pkw. Die Folge daraus ist auch die vermehrte Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs wie auch eine entlastete Parkplatzsituation.

Als Lösung für Pendler ungeeignet

Für diejenigen, die täglich zur Arbeitsstätte pendeln ist Carsharing meist ungeeignet. Da die Abrechnung nach Zeit erfolgt, müsste auch für die Zeit bezahlt werden in der das Auto geparkt ist. Befindet sich der Arbeitsplatz im Geschäftsgebiet des Carsharing- Anbieters kann das Fahrzeug ggf. abgegeben werden. Allerdings müsste für die nächste Fahrt wieder ein Pkw gefunden werden.

Verfügbarkeit auf größere Städte beschränkt

Anbieter sind auf Großstädte und Ballungszentren konzentriert, da das Mobilitätskonzept dort seine Vorteile voll ausspielen kann. Außerstädtisch ist Carsharing eher selten vertreten.

Eingeschränkte Unabhängigkeit

Nicht immer befindet sich der Standort der Leihfahrzeuge in direkter Umgebung, so dass eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmittel bzw. ein Fußmarsch vorangeht. Unter Umständen kann es vorkommen, dass kurzfristig kein Fahrzeug verfügbar bzw. das gewünschte Fahrzeug zum geplanten Termin bereits vergeben ist. Nur in seltenen Fällen kann ein Fahrzeug in einer anderen Stadt abgegeben werden. Falls doch können sehr hohe Kosten für die Rückführung anfallen.

Anbietervergleich

Die drei größten Carsharing-Anbieter in Deutschland sind Car2Go (eine Kooperation zwischen Daimler und Europcar), DriveNow (BMW und Sixt) sowie Flinkster, welches der Deutschen Bahn angehört. Vor wenigen Tagen haben BMW und Daimler die Zusammenlegung von Car2Go und DriveNow bekanntgegeben.

Car2Go

DriveNow

Flinkster

Free floating

Free floating

Stationsbasiertes Carsharing



Das Fahrzeugangebot


Car2Go

DriveNow

Flinkster

Mercedes-Benz A-Klasse
Mercedes-Benz B-Klasse
Mercedes-Benz CLA
Mercedes-Benz GLA
Smart fortwo
BMW i3
BMW i3 mit Range Extender
BMW X1
BMW 1er
BMW 2er Active Tourer
BMW 2er Cabrio
MINI Cabrio
MINI 3-Türer
MINI 5-Türer
MINI Clubman
MINI Countryman
Mini: Smart, Fiat Panda, e-Smart, Citroen C1, Toyota Aygo ...
Klein: Ford Fiesta, VW Polo, Opel Corsa, MINI E, Peugeot iOn, ...
Kompakt: Ford Focus, Opel Astra, VW Golf, Seat Leon, VW Caddy, ...
Mittel: Ford Mondeo, VW Passat, C-Klasse, Toyota Prius Plug-In PHV, Opel Ampera ...
Extra: Audi A6, BMW 5er, MB E-Klasse, 9-Sitzer-Bus ...
Ober: Audi A8, BMW 7er, MB S-Klasse
Transporter:Ford Transit, MB Sprinter, Opel Movano, VW T5


Die Preise


Car2Go

DriveNow

Flinkster

Anmeldegebühr29,- € € 29,- € 29,- / kostenlos bei Besitz einer Bahncard
Monatl. Grundgebühr---
TaktungPro MinutePro MinutePro Stunde*
InklusivkilometerKeine Beschränkung200km, darüber € 0,29 Aufschlag pro kmKeine Beschränkung
MietkostenMINI 3/5-Türer, Clubman, BMW 1er € 0,33/Min
BMW i3, X1, 2er Active Tourer, 2er Cabrio, MINI Countryman, Cabrio € 0,36/Min
Smart Benzin € 0,26/Min
Smart Elektro € 0,29/Min
Mercedes A-Klasse € 0,31/Min
Mercedes B-Klasse, GLA, CLA € 0,34/Min
Mini: € 1,50 / € 2,30 / € 39,- **
Klein: € 1,50 / € 5 / € 50 **
Kompakt: € 1,90 / € 6 / € 60 **
Mittel: € 1,90 / € 7 / € 70 **
Transporter: € 1,90 / € 8 / € 80 **
Verbrauchspauschale pro Kilometer--Mini: € 0,18
Klein: € 0,18
Kompakt: € 0,18
Mittel: € 0,2
Transporter: € 0,2
Aufschlag bei verspäteter Abgabe--€ 12,50 bei < 15Min
€ 25,- bei > 15Min
Zuschlag bei Mietbeginn und/oder Mietende an folgenden Flughäfen: Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf
München


€ 4-6
€ 12


€ 5,90
€ 12
25 % auf den Zeitpreis. Anmietungen an Flughäfen zum Tagespreis. Die Verbrauchspauschale entfällt, der Kunde zahlt die Betankung

*Die erste Stunde wird voll berechnet, danach jede weitere Stunde im halbstündlichen Takt. Bei vorzeitiger Rückgabe wird bis zu 50 % des restlichen Zeitpreises wieder gutgeschrieben.
**Stundenpreis 22-8 Uhr/ 8-22Uhr/ Tagespreis


Stationsbasiertes Carsharing ist im Vergleich zu den Free Floating Varianten günstiger. Einen Mini für eine Stunde zu mieten kostet bei Car2Go € 19,80. Für die gleiche Zeit und beispielsweise 30 Fahrtkilometer kostet der Mini bei Flinkster nur € 10,40. Nachts sind es sogar nur € 6,90. Zum Vergleich, wer in München 5km mit dem Taxi fährt bezahlt bereits € 12,45. Um dennoch konkurrenzfähig zu sein bieten Car2Go und DriveNow neben den regulären Tarifen Paketangebote an. Diese Stundenpakete sind für längere Fahrten deutlich günstiger als die Abrechnung im Minutentarif. Auf einen kompletten Tag gesehen ist Flinkster auch im direkten Vergleich zu einer Autovermietung günstiger. Bei einer Mietdauer von mehreren Tagen wendet sich jedoch das Blatt, da Autovermietungen durch Rabatte und Freikilometer die Preise unterbieten können.

Kostenvergleich privater Pkw vs. Carsharing

Um zu ermitteln, ob sich Carsharing gegenüber einem eigenem Auto lohnt wurden die jeweiligen Kosten gegenübergestellt. Zum Vergleich wurden der Golf VII 1.5 TSI und der im Unterhalt deutlich günstigere Elektro-Kleinwagen Renault Zoe herangezogen. Die ermittelten Kosten beinhalten Fixkosten (Teilkasko SF3 + Kfz-Steuer), Betriebskosten, Werkstattkosten sowie den Wertverlust des Fahrzeugs. Die Carsharing-Kosten wurden auf Grundlage der regulären Tarife zzgl. der Anmeldegebühr errechnet.

Wie aus der Grafik ersichtlich hängt das Einsparungspotenzial bei der Nutzung von Carsharing stark von der Jahresfahrleistung ab. Wer nur kurze Strecken fährt oder nur gelegentlich ein Auto benötigt kann viel Geld sparen.


Je geringer die jährliche Fahrleistung, desto größer ist die Ersparnis.

Bei einer Kilometerleistung von 3.000km im Jahr belaufen sich die Kosten eines eigenen Golf auf € 4.344 und beim Elektro-Zoe auf immerhin € 3.278. Je nach Carsharing Anbieter sind es in der gleichen Zeit € 1.019 bzw. € 1.649. Damit sind die Kosten für die Miete eines Wagens der Kompaktklasse um mindestens € 1.600/Jahr geringer. Abhängig von Carsharing-Anbieter und Privat-Pkw verringert sich die Ersparnis bei 6.000 gefahrenen Kilometern im Jahr auf mindestens noch € 260. Ab 7.000km/Jahr ist ein eigener Renault Zoe im Unterhalt günstiger als reines Free Floating Carsharing. Stationsbasiertes Carsharing ist hingegen weiterhin preiswerter.

Wann lohnt sich Carsharing?

Ab welcher jährlichen Fahrleistung sich ein Privat-Pkw gegenüber Carsharing lohnt hängt vom Fahrzeug, der eigenen Versicherungseinstufung und den Nutzungsgewohnheiten ab. In der Regel liegt der Schnittpunkt bei 10 bis 15.000km.


Der Wertverlust des eigenen Autos ist der größte Kostenfaktor. Ohne ihn wäre der Pkw Besitz schon bei niedrigeren Laufleistungen lohnenswert. Ein alter und nur haftpflichtversicherter Golf 3 mit 75PS, der mittlerweile keinen nennenswerten Wertverlust mehr aufweist, spielt schon bei ca. 3.000km/Jahr seinen Kostenvorteil aus. Bis dahin ist Carsharing die sparsamere Alternative.

Wie aus der Grafik ersichtlich hängt das Einsparungspotenzial bei der Nutzung von Carsharing stark von der Jahresfahrleistung ab. Wer nur kurze Strecken fährt oder nur gelegentlich ein Auto benötigt kann viel Geld sparen.


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