Mit welchem Verbrauch und welcher Reichweite ist zu rechnen?

Wer einen Benziner oder Diesel kaufen will weiß, die tatsächlichen Verbrauchswerte liegen schon fast grundsätzlich ein oder zwei Liter über denen der Herstellerangaben. Das macht die Sache einigermaßen einfach. Doch wie steht es um den Verbrauch von Elektrofahrzeugen?

Bei einem Volkswagen e-Golf wird ab Werk ein Verbrauch von 12,7 kWh pro 100km angegeben. Die volle Ladekapazität des Akkus beträgt 24,2 kWh. Rein rechnerisch würde man mit einer Akkuladung 190km weit fahren können.



Bei einem Test des ADAC wurde ein tatsächlicher Durchschnittsverbrauch von 18,2 kWh erreicht, was einer realen maximalen Reichweite von etwa 140km entspricht. 18,2 kWh entsprechen einem Mehrverbrauch von 43% und einer um 26% geringeren Reichweite.
12,7 kWh pro 100km wurde nur im Stadtverkehr erreicht, auf der Autobahn verdoppelte sich dieser Wert.
Die Realität weicht davon aber deutlich ab. Lediglich bei einem Test nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus), also einem Test auf einem Rollenprüfstand unter optimalen Bedingungen lässt sich dieser Wert annähernd erreichen.
Herstellerangaben zu Verbrauch und Reichweite von Elektro-Pkw sind nur mit Vorsicht zu genießen. Untersuchungen des TÜV Süd kamen 2014 bei der Prüfung verschiedener E-Modelle zu dem Ergebnis, dass der gemessene Mehrverbrauch unter realen Bedingungen zwischen 10 und 85% höher lag als vom Hersteller angegeben und das bei einer um ca. 10 bis 45% geringeren Reichweite. Eine Abweichung wie im Beispiel des e-Golf ist demnach völlig normal.

Das ist aber nicht alles. Der Gebrauch elektrischer Verbraucher wie Licht oder Scheibenwischer erhöhen den Stromverbrauch. Speziell im Winter macht sich das bemerkbar, insbesondere falls die Heizung auch elektrisch betrieben wird. Dazu kommt, dass die Akkus bei Minustemperaturen deutlich an Leistung verlieren. Die Maximalreichweiten sinken dann, je nach Fahrzeug, auf 20 bis zu 50% der Herstellerangaben. Andauernde sommerliche Temperaturen jenseits der 30°C haben auch einen negativen Einfluss auf die Batteriekapazität, sind aber hierzulande sicher nicht das Hauptproblem.

Die Nutzung einer Klimaanlage verkürzt die maximale Fahrtstrecke um etwas über 10%.

Genaue Angaben zu Verbrauch und Reichweite von Elektrofahrzeugen zu treffen ist schwierig. Der Verbrauch ist abhängig von der Fahrweise, der Geschwindigkeit, der Fahrtstrecke, der Beladung, eingeschalteten elektrischen Verbrauchern und der Außentemperatur. Selbst das Fahren mit offenen Fenstern hat negativen Einfluss darauf. Die Reichweite wiederum hängt vom Verbrauch und der Restkapazität des Akkus ab. Letztere altern, auch wenn langsam.

Wie hoch sind die Energieverbrauchskosten?

Um das vorangegangene Beispiel des e-Golf aufzugreifen; entsprechend dem von VW angegebenen Verbrauch liegen die Stromkosten bei € 3,71 pro gefahrener hundert Kilometer. Geht man vom Realverbrauch aus steigt dieser Wert auf € 5,31.
Während die Strompreise bis zum Jahr 2013 konstant stiegen, schwankten sie seitdem nur leicht und blieben auf einem ähnlichen Niveau. 2017 lagen die Kosten pro kWh bei 29,2 Cent.

Versucht man die Kosten des Stroms korrekt zu bestimmen steigt der Betrag noch weiter, denn Ladeverluste sind noch nicht berücksichtigt.
Der Fahrzeugakku ist nicht in der Lage, 100% des ihm zugeführten Ladestroms zu speichern. Dieser Verlust liegt je nach Fahrzeug und Akku bei 10 bis 30%! Besonders bei sehr niedrigen Temperaturen ist der Ladeverlust hoch, die Batteriekapazität nimmt ab. Auch wenn dieser Strom verloren ist, bezahlt werden muss er trotzdem.

Geht man beim e-Golf von einem durchschnittlichen Ladeverlust von nur 10% aus und bezieht diesen mit ein, steigt der Preis für hundert gefahrene Kilometer um 53 Cent auf € 5,84.
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