Teilkasko, Typklassen, Tarife - gesammeltes Wissen zur Kfz-Versicherung

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Regionalklassen in der Kfz-Versicherung

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Es dürfte auf den ersten Blick überraschen, dass man abhängig von seinem Wohnort für die Autoversicherung höhere oder niedrigere Beiträge bezahlt. Die Unterschiede sind dabei keineswegs lapidar, sie können bis zu 70% ausmachen. Um diese Unterschiede einfacher berechnen zu können, werden einmal jährlich die sogenannten Regionalklassen, unterteilt nach Kfz-Haftpflicht, Teil- und Vollkasko, von der Versicherungsbranche veröffentlicht. Ergebnis: im Osten Deutschlands kann man sein Fahrzeug am günstigsten versichern. Grund ist die günstigere Schadenbilanz in den ostdeutschen Kreisen, allen voran Elbe-Elster, Mecklenburg-Strelitz und Oberspreewald-Lausitz. Diese Regionen dürfen sich mit der deutschlandweit niedrigsten Regionalklasse schmücken, die R0. Der Süden Deutschlands, besonders die Landkreise Passau und Kaufbeuren, ist hingegen ein teures Pflaster für Versicherte. Ihre Regionalklasse ist die höchste mit R12. Maßgeblich für diese seit Jahren unveränderte Diskrepanz sind die schwierigen Straßenverhältnisse im bayerischen Winter. Auch die geringere Verkehrsdichte im Osten der Republik trägt ihren Teil zur Schadenbilanz bei. Das Fahrverhalten in den östlichen Regionen ist offenbar auch tendenziell defensiver und führt seltener zu Unfällen. Dieses Ost-Süd-Gefälle gilt allerdings nur für die Kfz-Haftpflichtversicherung.

Teilkasko- und Vollkasko mit regionalen Unterschieden

Auch für Teil- und Vollkaskoschäden werden alljährlich regionale Risikoprofile ermittelt, die dann in eigenen Regionalklassen zum Ausdruck kommen. Betrachtet man die Vollkasko-Regionaleinstufung, stellt auch hier das Bundesland Bayern die Zulassungsbezirke mit der höchsten Regionalklasse (R9), z.B. Garmisch, Berchtesgaden oder Ostallgäu. Aber auch die Bundeshauptstadt Berlin bekam die teuerste Vollkasko-Einstufung. Die Teilkasko ist gerade in den neuen Bundesländern besonders teuer, hier liegen die Regionen mit den höchsten Typklassen (R16). Hier eine Kartenansicht über die Regionalklassen-Verteilung: http://www.gdv.de/Themen/AutoundVerkehr/Typklassen____Regionalklassenabfrage/inhaltsseite.html



Kritik am Regionalklassenmodell

Gerade am Beispiel Berlin wird deutlich, dass die Regionalklasse zwar Transparenz und Klarheit schafft, dabei jedoch alle Stadtbezirke über einen Kamm geschoren werden, auch wenn das Schadenrisiko z.B. in Neukölln größer sein mag als in Charlottenburg. Daher gehen gehen die Versicherungen zunehmend dazu über, die Postleitzahl des Halters anstelle der Regionalklasse als Berechnungsbasis zu verwenden. So ist es möglich, eine feinere Abstufung des Risikos innerhalb eines Zulassungsbezirks zu ermitteln. Das kann zwar etwas kuriose Blüten treiben, wie z.B. Preisunterschiede von bis zu 133 EUR innerhalb einer Straße (ermittelt vom Vergleichsportal check24.de) - wenn sie sich wie häufig in Großstädten über mehrere Postleitzahlen erstreckt. Es führt aber zu einer verursachungsgerechteren Kostenverteilung. Man darf darüber spekulieren, ob die Versicherungsgesellschaften diese neue Berechnungsbasis nutzen, um versteckt höhere Beiträge für alle durchzusetzen. In Anbetracht des seit Jahren andauernden Preiskampfes in dieser Versicherungssparte ist das nicht unwahrscheinlich.

Wenn sich die Regionalklasse ändert

Wer in seiner Versicherungsabrechnung eine verschlechterte Regionalklasse findet, kann kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln. Jedoch werden die neuen Stufen nur einmal jährlich vom GDV veröffentlicht, und zwar immer zur typischen Kfz Versicherungs-Wechselsaison im Herbst.