Der BMW i5 verkörpert als erstes Elektro-Modell der Münchner Businessklasse eine Fusion aus Tradition und Moderne. Bekannte Tugenden wie Sportlichkeit, Qualität und optische Präsenz werden mit der neuen Antriebswelt verbunden.
Ab Oktober 2023 stehen zwei Varianten zur Auswahl: der i5 eDrive40 und der i5 M60 xDrive. Das Einstiegsmodell ab 70.200€ bietet mit seinen 340 PS bereits Leistungswerte weit jenseits der Verbrenner-Basis, perfekt als Geschäftswagen im täglichen Gebrauch. Der M60 xDrive dagegen, mit einer Leistung von 601 PS, tritt in die Fußstapfen der legendären M-Reihe, sein Drehmoment von 820 Nm liegt sogar jenseits des aktuellen M5 und beeindruckt in jeder Fahrsituation. Sein Grundpreis von 99.500€ aber auch.
Beide e-Modelle haben eine gemeinsame Basisarchitektur in Sachen Akku und Antrieb. Hier zeigt sich die Besonderheit der Marke mit dem blau-weissen Propeller: anstatt eine reine E-Plattform zu entwickeln, teilen sich die Stromer mit konventionellen Verbrennern und PHEVs dieselbe Basiskonstruktion. Unter den Premium-Herstellern geht BMW hier seinen eigenen Weg. In Sachen Karosserie gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Es ist mehr als ein Gerücht, dass BMW eine Kombi-Version plant, um den i5 noch vielseitiger zu gestalten. Strombetriebene Kombis sind nach wie vor Mangelware, der Taycan Sport Turismo wäre einer der wenigen Konkurrenten. Besonders in Europa, wo Kombis nach wie vor hoch im Kurs stehen, könnte ein BMW i5 Touring ein Verkaufsschlager werden.
Raumangebot und Interieur
Mit einem ordentlichen, aber nicht üppigen Kofferraumvolumen von 490 Litern eignet sich der i5 sowohl für Großeinkäufe als auch für Wochenendausflüge. Ohne das platzfressende Akku-Paket im Unterboden wären wohl noch einige Liter mehr drin gewesen.
Die Aussenmaße des Fahrzeugs sprechen indes eine klare Sprache: Mit 5.060 mm Länge und einer Breite von 1.900 mm betritt der i5 den 5-Meter-Club, so gross war bisher kein 5er. Dank guter Raumausnutzung stehen aber geräumige Platzverhältnisse für Fahrer und Mitfahrer zur Verfügung. Einzig der Kardantunnel im Mittelfußraum der Rückbank könnte bei voller Besetzung mit 5 Personen auf längeren Fahrten etwas störend sein.
BMW setzt im Innenraum auf eine Kombination aus hochwertigen Materialien und neuartigen, nachhaltigen Werkstoffen. Softtouch-Oberflächen, Echtleder oder das tierfreie Veganza-Lederimitat und Aluminium-Applikationen verleihen dem Interieur eine luxuriöse und zeitgemäße Anmutung. Hervorzuheben sind die individualisierbaren Interieur-Farbvarianten, die es erlauben, den i5 ganz nach persönlichem Geschmack zu gestalten. Dabei stehen eine Palette von warmen Erdtönen bis hin zu kühleren Metallfarben zur Verfügung.
Die Verarbeitung im Allgemeinen ist BMW-typisch tadellos. Alle Nähte, Übergänge und Anschlüsse sind präzise und akkurat.
Optik und Ausstattung
BMW hat mit dem i5 in puncto Design einen sichtbaren Schritt nach vorne gemacht, auch wenn er nach wie vor eindeutig als 5er Variante zu erkennen ist. Gegenüber dem Vorgänger, der G30 Serie, präsentiert sich der i5 mit einer aerodynamisch optimierten Silhouette sowie zahlreichen, für das i-Modell speziell reservierten Akzenten. Die Front wird von der markanten Doppel-Niere dominiert, die, im Gegensatz zum BMW i7, etwas dezenter gestaltet wurde. Das Heck und die Seitenlinie sind fließend und verleihen dem i5 eine dynamische und zugleich elegante Erscheinung. Verglichen mit dem M-Modell wirkt der eDrive 40 deutlich zahmer und weniger aggressiv, trotz seiner beachtlichen Leistungswerte. Ein Eindruck, der durch das Fehlen von Auspuffrohren und anderen charakteristischen Verbrenner-Elementen noch verstärkt wird. Stellt man einem M5 aber einen i5 M60 in vollem Sport-Ornat gegenüber, ist der potente Verbrenner gar nicht sofort als Spitzenmodell zu erkennen.
Bei der Ausstattung bietet BMW eine Fülle von Optionen: von verschiedenen Felgendesigns in Größen zwischen 19 und 21 Zoll, über eine breite Palette von Außenfarben bis hin zu Individualisierungsmöglichkeiten für das Interieur. Das M-Sportpaket, für den M60 Serie, kommt an dem leistungsstarken Wagen besonders zur Geltung. Wählt man die Doppelniere in schwarz, wirkt sie in Kombination mit hellen Lackierungen aber sehr dominant, was einem gefallen muss. Aber es gibt auch sonst in der Optionsliste der Münchner viele Möglichkeiten, das Fahrzeug sportlich zu trimmen und auch stark zu individualisieren.
Technologie und Infotainment
Der BMW i5 verfügt über eines der besten Infotainment-Systeme auf dem Markt, das auf einem großen, geschwungenen "Curved Display" bedient wird. Dieser zweigeteilte Touchscreen bildet das Herzstück, über das man nahezu alle Fahrzeugfunktionen steuern kann. Auf Basis des BMW OS 8.5 Betriebssystems wurde die Reaktionsgeschwindigkeit und die Darstellung deutlich verbessert. Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig integriert.
Wer sich in den unzähligen Menüs und Bildschirmseiten verliert, hat zumindest immer noch den bekannten iDrive Controller auf der Mittelkonsole zur Hand. Besonders gut gelöst ist im BMW die Anzeige zu den Elektro-spezifischen Funktionen und Menüs, es werden z.B. alle Informationen zur Batterieleistung und Reichweite verständlich und detailliert dargestellt.
Fahrverhalten und Performance
Beide Varianten des i5 beeindrucken durch ihre Mühelosigkeit, Ruhe, Agilität und den strammen Antritt. Während der eDrive40 bereits stramme Beschleunigungswerte, Null Hundert in sechs Sekunden, und eine ausgewogene Balance aus Power und Verbrauch bietet, legt der M60 xDrive noch einige Briketts nach.
Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 3,8 Sekunden tritt er in direkte Konkurrenz zum BMW M5, bietet mit 820Nm sogar ein höheres Drehmoment. Lediglich im Topspeed muss er den M ziehen lassen, mit 230km/h kann er in der Praxis aber fast überall mithalten. Das ist im eDrive40 nicht ganz so einfach, denn er wird bereits bei 190km/h abgeregelt und guckt damit auf deutschen Autobahnen so manchem Kleinwagen von hinten ins Auspuffrohr. Eine Businesslimousine von BMW bereits unter 200km/h auszubremsen schmeckt nicht jedem Fan der Marke. Gerade, weil eine hochgeschwindigkeitsfeste Bremsanlage und ein adaptives Fahrwerk an Bord sind.
Elektrische Eigenschaften und Reichweite
Wie erwähnt sind die beiden Modellvarianten eDrive40 und M60 xDrive aktuell die einzigen im i5 Portfolio. Man hat also eine effiziente und eine performanceorientierte Option zur Wahl. Batterieseitig herrscht Gleichstand, beide nutzen einen 84kWh Akku mit einer nutzbaren Kapazität von 81kWh. Im Umfeld elektrischer Business-Limousinen, die eher für die Langstrecke konzipiert sind, ist dieser Wert überraschend niedrig. Der eDrive40 soll damit eine Reichweite von bis zu 582 km nach WLTP-Norm erzielen, was absolut praxistauglich wäre. Das setzt aber einen ebenfalls sehr optimistischen WLTP Wert von knapp 16kWh auf 100km voraus. In der Realität ist man an warmen Tagen aber eher im Bereich von 450 bis 500km Reichweite mit einer Vollladung. Beim M60 xDrive legt BMW den Fokus offenbar weniger auf die Reichweite, sondern primär auf Power und Performance. Trotz gleicher Akkugröße schmilzt der Aktionsradius nach WLTP auf 516km. Wer 400km real schafft, hat das Leistungsvermögen nicht oft ausgekostet.
Mit hohen Ladeströmen am Schnelllader lässt sich der Malus beim Stromspeicher aber gut ausgleichen. Und hier liefert der BMW ab, mit einer maximalen Ladepower von 205 kW liegt er auf den vorderen Plätzen. Ein Taycan mit 800V Bordnetz und 270kW kann zwar in der Spitze nochmals mehr, aber die Unterschiede sind ind er Praxis eher gering.
Blickt man auf Konkurrenten wie das Tesla Model S oder den Mercedes EQE, findet man größere Akkus und auch bessere reale Reichweiten, die denen des i5 überlegen sind. Dennoch ist der i5 als Gesamtprodukt ein gut nutzbares, schnelles Oberklasse-Modell mit dem charakteristischen BMW-Fahrerlebnis.
Produktionsstart in Niederbayern
Was 1973 im Werk Dingolfing startete, ging nun in die 8. Runde: der Produktionsstart der neuen BMW 5er Reihe, einschliesslich des i5 wurde im Juli 2023 am niederbayrischen Standort verkündet. Der Produktionsvorstand von BMW, Milan Nedeljkovic, betonte die flexible Produktionsarchitektur des Werks, die sieben verschiedene Antriebsvarianten auf einer Linie ermöglicht. Der i5 ist das dritte vollelektrische Fahrzeug, das in Dingolfing, dem größten europäischen BMW-Standort, produziert wird. Eine Milliarde Euro wurden seit 2015 dort in die Produktion von E-Antriebskomponenten gesteckt.
Zusammenfassung und Fazit
Der BMW i5 als erster elektrisch betriebener 5er ist ein Technikwunder, mit tadelloser Qualität, bietet Infotainment und Fahrassistenz wie kaum ein zweiter. Das Topmodell ist der "M"-Zusatzbezeichnung würdig, seine Leistungsdaten sind überragend.
Doch auch auf der Soll-Seite gibt es einiges zu vermerken. Die Dimensionierung des Akkus erscheint als zu gering, die realen Reichweiten werden vermutlich hinter denen der Premium-Konkurrenz verbleiben. Genaueres wird man nach den ersten ausführlichen Tests im Herbst sehen. Dazu kommen gewisse Kompromisse in Sachen Kofferraumgröße, fehlender "Frunk" oder unnötiger Kardantunnel, sie sich aus der Einheitsplattform für Elektro, Verbrenner und PHEV ergeben.
Sobald die Kombi-Version marktreif ist, wird der i5 Touring voraussichtlich zu einem Matchwinner. Bisher ist kein Premium-Kombi mit Elektroantrieb verfügbar, außer bei Porsche, aber der Taycan bewegt sich in einer anderen Preisklasse.