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Jeep Avenger – Der Praxistest

18.07.2023

Stadttauglichkeit und Platzverhältnisse des US-Elektro-SUVs

Der Jeep Avenger in der First Edition
Bild: Stellantis | Der Jeep Avenger in der First Edition

Erste Überraschung: Obwohl der Jeep Avenger mit einer Länge von 4.084 mm und einer Breite von 1.776 mm auf dem Papier kompakt erscheint, beeindruckt er im Innenraum durch erstaunliche Geräumigkeit. So genießen Fahrer und Beifahrer vorne eine großzügige Bein- und Kopffreiheit. Hinten wird es jedoch für Passagiere über 1,85 Meter knapp, insbesondere nach oben. Abstriche muss man auch beim Kofferraum machen. Mit einem Volumen von 355 Litern (1.250 Liter mit umgeklappter Rückbank) fällt dieser vergleichsweise klein aus und hinkt hinter Konkurrenten wie dem VW ID.3 oder dem BMW iX1 zurück. Hier hätten sich potenzielle Käufer sicherlich mehr Raum gewünscht, gerade in Anbetracht des SUV-Charakters des Wagens.

Der Wendekreis von 10,5 Metern ist stadttauglich und auch die Rundumsicht ist überzeugend. Unterstützende Parkassistenten und Kameras erleichtern das Einparken in engen Lücken. Doch es gibt auch Nachteile: Die schlecht einsehbaren Karosserieüberhänge und die breite C-Säule schränken die Übersichtlichkeit ein und erfordern Gewöhnung. Hier musste der Sicherheitsaspekt hinten anstehen und sich der kantigen Optik geschlagen geben.

Das Design des Avenger behält einige typische Jeep-Merkmale bei, wie die kantige Motorhaube, den Jeep-Schriftzug und die geschlossenen sieben Elemente im Kühlergrill. Der vordere Stoßfänger verleiht dem Fahrzeug eine kraftvolle Optik, und die farbliche Gestaltung mit Sun Yellow und Volcano Black sorgt für Aufmerksamkeit. Kunststoffelemente an den Seiten und robuste Details sollen Kratzer und Parkrempler abmildern. Die 18-Zoll-Räder und die markante Beplankung an den Seiten unterstreichen den Offroad-Charakter des Avenger. Das schwarze Dach, die abgedunkelten Fenster und die Akzente in Schwarz setzen optische Highlights.

Reisekomfort und Langstreckentauglichkeit

Betrachten wir den Reisekomfort, so punktet der Avenger mit seiner effizienten Zweizonen-Klimatisierung, bequemen Sitzen aus einem Kunstleder-Stoff-Materialmix und für ein SUV dieses Formats geringem Geräuschniveau. Das Fahrwerk ist etwas weich aber dadurch ausreichend komfortabel, was in der Stadt von Vorteil ist, aber auf kurvigen Landstrassen zu einem schwammigen Fahrgefühl führen kann. Die Lenkung ist ausreichend präzise, nur das Bremspedal erfordert etwas Gewöhnung, da der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischem Verzögern nicht immer nahtlos ineinander übergeht.

Jeep Avenger in Sun Yellow
Bild: Stellantis | Jeep Avenger in Sun Yellow

Sicherheit auf und abseits der Straße: Fahrsicherheit, Geländegängigkeit und Fahrspaß

Mit 115 kW (156 PS) Leistung und einem Drehmoment von 260 Nm bietet der Avenger genug Kraft, um im Stadtverkehr zügig voranzukommen und auch auf der Autobahn nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9 Sekunden lässt zwar keine Sportwagen-Gefühle aufkommen, doch das Fahrgefühl bleibt solide. Das Gewicht von 1.536 kg sorgt für eine gute Straßenlage, aber auch für eine gewisse Schwerfälligkeit. Im Offroad-Einsatz bleibt der Vorderradantrieb hinter den Erwartungen zurück. Obwohl sein Böschungswinkel von 20 Grad vorne und 32 Grad hinten durchaus vielversprechend ist, müht sich der kleine e-Jeep mit Traktionsproblemen bei losem Untergrund. Als Verwandter eines Rubicon oder Wrangler würde man Allradantrieb und eine bessere Geländegängigkeit erwarten. Allrad könnte von der US-Marke zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Der Avenger verfügt über eine Reihe von Assistenzsystemen wie Bergabfahrhilfe, Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent, Tempomat und Verkehrszeichenerkennung. Weitere optionale Systeme wie ein adaptiver Tempomat, Einparkhilfe, Rückfahrkamera und Totwinkelwarner können optional hinzugefügt werden oder sind in den Ausstattungslinien Longitude, Altitude oder Summit bereits enthalten.

Qualitätsanmutung

Der Avenger zeigt sich in gewohnter Jeep-Qualität. Materialien und Verarbeitung sind solide, die Spaltmaße sind gleichmäßig, auch wenn der Kunststoffanteil hoch ist. Gegenüber Konkurrenten wie dem Mercedes-Benz EQB wirkt das Interieur des Avengers schlichter und weniger luxuriös. Hier zeigt sich, dass der Avenger noch nicht ganz mit den Premium-Elektrofahrzeugen mithalten kann

Bedienkonzept und Konnektivität

Aufgeräumtes Cockpit mit 10,25 Zoll Zentraldisplay
Bild: Stellantis | Aufgeräumtes Cockpit mit 10,25 Zoll Zentraldisplay

Mit dem Infotainment-System, das auf einem 7 oder 10,25-Zoll-Touchscreen basiert, bewegt sich Jeep auf Augenhöhe mit den Konkurrenten. Android Auto und Apple CarPlay sind an Bord. Die Bedienung ist intuitiv, die Menüführung logisch und die Reaktionszeiten kurz. Ein Navigationssystem kann optional geordert werden. Ergänzt wird das System durch die "Jeep Life"-App, die Ladevorgänge, Fahrzeugstatus und vorausschauende Wartungsinformationen ermöglicht. Doch hier steckt der Teufel bisweilen im Detail: einige Untermenüs sind überladen und wirken unübersichtlich. Da bleibt noch Raum für Optimierungen.

Akkumanagement und besondere E-Auto-Ausstattung

Das Akkumanagement des Avenger ist effizient und erlaubt dank einer Wärmepumpe auch bei niedrigen Temperaturen gute Reichweiten. Die Ladeplanung funktioniert reibungslos und die Anbindung an das "Jeep Charging Network" garantiert Zugang zu einer Vielzahl von Ladestationen. Hervorzuheben ist die Ladeleistung von bis zu 100 kW bei Gleichstromladen, was bei anderen Elektroautos in dieser Preisklasse noch nicht zum Standard gehört. An der heimischen Wechselstrom-Wallbox lädt er mit maximal 11kW.

Verbrauch und Reichweite

Die Reichweite des Avengers ist mit 408 km (WLTP) beachtlich, aber nicht überragend. Mit einem WLTP Verbrauch von 15,2 kWh/100 km ist die Reichweite zwar theoretisch möglich, aber praxisfern. Im Test kam der SUV nur auf 320 Kilometer, von z.B. einem Tesla Model Y RWD ist er damit ein gutes Stück entfernt. Auch die Batteriekapazität von 54 kWh (brutto) und 50,8 kWh (netto) sind in Ordnung, aber nicht besonders großzügig.

Kostenaspekte des Avengers

Mit einem Grundpreis von 37.000 Euro positioniert sich der Jeep Avenger im günstigen Preissegment der Elektroautos. Die Ersparnisse bei den Unterhaltskosten durch die Kfz-Steuerbefreiung und geringe Wartungskosten machen das Fahrzeug ebenfalls attraktiv. Auch die Versicherungseinstufung liegt auf einem moderaten Niveau. Zudem ist der Avenger in Deutschland voll förderberechtigt, was den Kaufpreis um 4.500€ (2023) bzw. 3.750€ (2024) senkt. Verglichen mit den Wettbewerbern ist der Preis als fair anzusehen.

Stärken und Schwächen des Avengers

Die Stärken des Avengers liegen in seinem großzügigen Raumangebot und seinem guten Reisekomfort, bezogen auf die Fahrzeuggröße und -klasse. Punktabzüge gibt es für das eher bescheidene Kofferraumvolumen und die mäßige Geländegängigkeit, die man bei einem Jeep eigentlich erwarten würde. Die Qualitätsanmutung im Innenraum und die intuitive Bedienung des Infotainmentsystems sind weitere Pluspunkte, auch wenn hier noch Raum für Verbesserungen ist. Für diejenigen, die keinen Hardcore-Offroader benötigen, aber den coolen Look schätzen, ist der Jeep Avenger eine empfehlenswerte Option in der Liste der Elektro-SUVs.

Cooler Look des Avenger
Bild: Stellantis | Cooler Look des Avenger

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